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Nachdem wir nun bereits fast eine Woche auf unserer Radrundtour durch den Norden des US-Bundesstaates Washington unterwegs waren, aber dabei gerade einmal ein Drittel der Gesamtstrecke von 270 km hinter uns gebracht hatten, war es Zeit ein paar Kilometer auf unseren Fahrradtacho zu bringen.

Nachdem wir ausgeschlafen hatten.
Und einen Kaffee getrunken. ☕
Und natürlich die Sonnenfinsternis angeschaut!

Anders als bei der totalen Sonnenfinsternis in Deutschland im Jahr 1999 war Washington mit einem wolkenlosen Himmel gesegnet. Wir verfolgten das Spektakel zwar ohne Spezialbrille, konnten aber dennoch zusehen, wie sich der Mond vor die Sonne schob. In Anacortes lag die Abdeckung jedoch nur bei 85° – es blieb daher die ganze Zeit über taghell.

Über den beeindruckenden Deception Pass radelten wir von der Fidalgo-Halbinsel auf die Insel Whidbey. Die Meerenge wurde früher zunächst für einen riesigen Fluss gehalten. Deswegen dachte man auch, dass Whidbey Island Teil des Festlands sei. Aufgrund ihrer Größe und der Brückenverbindung fühlt sie sich aber auch wirklich nicht inselig an.️

Deception Pass zwischen Fidalgo und Whidbey Island
Blick auf Mount Baker und Strawberry Island

Unterwegs legten wir in Oak Harbor eine Pause ein. Wer kann schon bei der Werbetafel “Pancakes & Waffles” widerstehen? Außerdem gab es noch ein Eis bei Dairy Queen, die damit werben, dass ihr Softeis so fest ist, dass man den Eisbecher kopfüber halten kann. Witzigerweise demonstrieren sie das auch, wenn sie Dir Deinen Eisbecher überreichen.

So amerikanisch…
Magic

Auch im hübschen Coupeville stellten wir unsere Fahrräder ab und bestaunten die vielen Quallen im Wasser.

Coupeville
Mal wieder mit Mount Baker
Da will ich ein Foto von dieser idyllischen Landschaft machen…
…als plötzlich ein Reh vor meiner Linse auftaucht!

Gegen 18 Uhr kamen wir am Campground im Fort Casey State Park an, der wiederum einen eigenen Ausflug wert wäre.

Zum Glück muss man sich in den USA als aus eigener Kraft Reisender keine Sorgen um einen Platz für sein Zelt machen: Auf allen Campingplätzen gab es die Hiker/Biker-Flächen, die nach dem First come, first serve-Prinzip funktionieren. Und auch wenn diese natürlich theoretisch voll werden können, schicken sie am Abend auch niemanden mehr weg, hab ich mir sagen lassen. So konnten wir unsere Route spontan gestalten und so weit fahren oder so lange bleiben, wie wir wollten.

Fort Casey State Park
Der Camp-Host hat die mondänste Unterkunft.
Die Fähren halten quasi direkt am Campground.
Blick auf den Campingplatz
Alte Festungsanlage Fort Casey
Auch hier tauchten Mal wieder ein paar Rehe auf.
Wer sieht unseren Lieblingsberg Mount Baker?

So: Das war gerade alles ein einziger Tag! Als wir von unserer Tour zurückgekommen sind und ich mich ans Bilder durchsichten gemacht habe, musste ich feststellen, dass ich während der 10-tägigen Radtour 650 Bilder gemacht habe! Und es würde mich nicht wundern, wenn dieser Tag überdurchschnittlich viele beigesteuert hat.

Am nächsten Morgen stand die nächste Fährfahrt an. Diesmal nach Port Townsend aufs Festland. Die kleine Stadt sieht sehr beeindruckend aus: Man schippert auf eine Felswand zu, zu deren Füßen der Hafen und die Altstadt liegen, während die Wohnviertel auf den Felsen gebaut wurden.

Blick von Port Townsends Wohnviertel aufs Meer
In Port Townsend wohnt man hübsch!

Von Port Townsend folgten wir dem Olympic Discovery Trail, der etwa 90km bis Port Angeles führt, von wo wir die Fähre zurück nach Vancouver Island nehmen würden. Der Radweg verläuft mal durch Wald, mal entlang Wiesen- und Farmland – und vor allem immer mit Blick auf die schneebedeckten Hänge der Olympic Range im Olympic National Park. ❤️?

Blick auf den Olympic National Park

Das allerallerallerbeste jedoch: Der Radweg lädt Dich nonstop zum Brombeeren-Pflücken ein. Brombeer-Sträucher wachsen in dieser Ecke Kanadas und der USA an allen Wegen. Fleißige mit Tupperdose bewaffnete Beerenpflücker gehören zum Straßenbild dazu. Manche sind sogar mit Leiter ausgerüstet – schließlich sind die tief hängenden Früchte meist schon abgeerntet.??

Berrypicking…
…fürs Helm abnehmen bleibt keine Zeit!
Brombeer-Berg!

Ein Teilstück des Olympic Discovery Trail verläuft aber auch kilometerlang auf dem Standstreifen des Highways… Das sind die schlimmsten Kilometer. Nicht nur, weil es leicht beunruhigend ist, wenn neben Dir die Trucks vorbeirauschen. Sondern auch, weil Dich Deine Augen glauben lassen, dass sich die Straße harmlos flach vor Dir erstreckt. Doch wieso fühlt sich dann jede Faser Deines Körpers so an, als seien sie in einen stetigen Kampf gegen ein Berg verwickelt?

Kaum oben angekommen, ist Dr. Pepper schon leer…

Am Abend im Sequim Bay National Park versuchte Jan mich von einem Frühstück in town zu überzeugen und las mir die Speisekarte vom Oak Table Café vor: Buttermilk Pancakes wahlweise mit Blaubeeren oder Pecannüssen, Pancakes mit Himbeeren und weißer Schokolade, Buchweizenpancakes, sogar ‚German Pancakes‘, die im Ofen gebacken und mit Zitronenspalten serviert werden – wer sich das wohl ausgedacht hat?

Ich war jedenfalls schon nach zwei Wörtern überzeugt, das Haferflocken-Frühstück ausfallen zu lassen.

Das Oak Table Café stellte sich als echte Institution mit sehr viel Old School Charme heraus. Mmmmmmh, wenn ich nun im Nachhinein an meinen Pancake-Berg denke, möchte ich sofort dorthin zurück. ❤️

Träumchen

Wir radelten mit sehr vollen Mägen nur etwa eine Stunde zum Dungeness County Park, wo wir unser Zelt für die Nacht aufschlugen. Dort wehte ein ganz schön kaltes Lüftchen, das uns bereits am Nachmittag in unser Zelt trieb.

Weiter geht’s auf dem Olympic Discovery Trail.
Das erste Mal seit Wochen brauchen wir unsere Jacken!

Es ist schon witzig: Auf den San Juan Islands, genauso wie zuvor auf den Gulf Islands, leben keine Bären (und keine Wölfe), so dass man (ich) ruhig im Zelt schlafen kann – wenn Dich nicht gerade eine Horde Rehe wach hält. Als wir aufs Festland übersetzten, hatte ich nicht auf dem Schirm, dass sich das geändert haben könnte – bis am Eingang des Dungeness County Park ein Warnschild hing, dass in letzter Zeit häufig eine Bärenmutter mit ihren Jungen gesichtet wurde. Und jeder weiß ja, dass Bären unberechenbar werden können, wenn sie ihre Jungen beschützen wollen…

Da helfen auch so gut gemeinte Verhaltenshinweise nicht, dass man sich mit dem Wind Richtung Bär positionieren solle, so dass er riecht, dass er einen Mensch vor sich hat. Schließlich stehen wir bei Schwarzbären für gewöhnlich nicht auf dem Speiseplan. Ich sehe mich nicht in der Lage im Ernstfall erstmal die Windrichtung zu checken.

Prompt sehe ich in der Dämmerung große Schatten an unserem Zelt vorbei schleichen. Jedes Knacken der Zweige und jedes Rascheln im Gebüsch lässt mich den Atem anhalten. Und vor allem möchte ich nachts nicht aufs Klo müssen…

Wie immer sah die Welt (und der Wald) am nächsten Morgen viel besser aus. Es war Zeit für einen Spaziergang entlang des Dungeness Spit – einer 10km langen Landzunge, an deren Ende ein Leuchtturm wacht. So früh am Morgen war noch niemand sonst unterwegs und ich hatte das Meer, den Sand und die Möwen für mich alleine.

Dungeness Spit – 10km bis zur Spitze der Landzunge
Nur die Möwen und ich!

Zurück am Zelt weckte ich Jan, der nachts auch kein Auge zugemacht hatte. Ich bin nicht die einzige, bei der Bären-Warnhinweise ein mulmiges Gefühl im Bauch hinterlassen.

Die letzte Etappe unserer Radtour stand bevor. Wir müssen uns immer wieder kneifen, wie viel Glück wir doch mit dem Wetter haben. Seit vier Wochen sind wir inzwischen in und um Vancouver Island unterwegs – und nur eine Nacht hat es geregnet. Auch die Tage mit bewölktem Himmel können wir an einer Hand abzählen. Wahnsinn!

Anders als auf den (meisten) anderen Stationen unserer Reise haben wir hier bisher fast gar keine ausländischen Touristen getroffen. Urlauber gab es immer genug, was die stets ausgebuchten Campingplätze beweisen. Jedoch waren es immer Kanadier oder US-Amerikaner. Wir sind natürlich selbst Touristen – aber es ist einfach ein gutes Gefühl wie die Locals zu reisen. ❤️

Wenn mich allerdings jemand um Reisetipps rund um Vancouver Island fragen würde, hätte ich kaum eine Antwort parat. Mit dem Segelboot Angeln geheneine Kanutour über mehrere Seen machen und mit dem Fahrrad über die vorgelagerten Inseln cruisen – all diese tollen Sachen konnten wir nur machen, da uns Dan großzügig seine Ausrüstung geliehen und z.B. überhaupt erst auf die Ideen gebracht hat. Und immer wieder entdecken wir so viele neue Möglichkeiten, was man hier alles machen kann, dass wir am liebsten auch die nächsten zehn Sommer zurückkommen würden.?

Port Angeles in Sicht
Der Himmel über Victoria ist immer blau!
Zurück in Victoria!

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