Schließen

Zwölfte Etappe: Pelorus River Track und Richmond Alpine Track

​Danke an alle, die sich Sorgen um Jans Füße gemacht haben. Es hat geholfen! Einen Tag später waren Jans Füße völlig schmerzfrei und sind es bis heute! Oder die Schmerztabletten haben endlich angeschlagen. ?

  • Tag 65-70
  • Etappe: 149 km
  • Total: 1945 km

Also beschlossen wir uns in den Richmond National Park zu wagen – prognostizierte neun Tage abseits der Zivilisation, bevor man in dem kleinen Ferienort St. Arnaud ankommt, wo unsere erste vorausgeschickte Essensbox auf uns wartet.

Aber zunächst hieß es für ebendiese neun Tage einzukaufen. Im Nachhinein muss ich sagen: Zum Glück war der Four Square, in dem wir uns bevorratet haben, bereits sehr geplündert, so dass wir keine große Auswahl hatten und uns auf das Allernotwendigste beschränkten mussten. So war das Rucksackgewicht trotz neun Tagesvorräten einigermaßen erträglich. Aber während des Einkaufens war das natürlich sehr ernüchternd… ?

Entlang des Pelorus River, der die gesamte Region Nelson mit Trinkwasser versorgt, wanderten wir durch den Richmond National Park. Das Schöne an den nun folgenden Abschnitten ist das gute neuseeländische Backcountry-Hüttennetz, so dass man praktisch jede Nacht in einer gemütlichen Hütte unterkommen kann.

Pelorus River
Sehr vertrauenswürdige Brücken mit maximaler Traglast von 1 Person

Apropos Hüttenkapazitäten: Wir trafen zwei Wanderer wieder, die sich an Weihnachten das Festessen im Makahika Outdoor Pursuits Center nicht haben entgehen lassen (siehe Blogbeitrag Weihnachten im Wald). Sie wurden genau auf dem Abschnitt der Tararua Ranges von der Schlechtwetterfront erwischt, auf dem die 2-Betten-Hütte Dracophyllum Hut liegt, und verbrachten darin mit acht Personen die Nacht! Unvorstellbar, wie sie da alle reingepasst haben!

Dracophyllum Hut von außen…
…und von innen.

Aber zurück zu dieser Etappe. Die Hütten des ersten Abschnitts lagen zumeist direkt am Pelorus River. Das Wasser des Flusses ist so klar und schimmert so türkis, dass man der Versuchung eines Bades nicht widerstehen kann – bis man den kleinen Zeh reinstreckt. Brrrr – wir sind doch noch nicht soooo abgehärtete Outdoor-Freaks. ? Und leider schwirren in Flussnähe besonders viele Sandflies herum. Im Nu hat man fünfzehn Stück auf sich sitzen, die munter Blut abzapfen und qualvoll juckende Stiche hinterlassen…

In einem Gebiet des Waldes muss vor einigen Jahren ein wahnsinnig starker Sturm gewütet haben. Viele Bäume wurden komplett entwurzelt und umgeworfen. Ein seltsam gespenstischer Anblick…

Am Ende des zweiten Tages trafen wir Amélie und Stev wieder und beschlossen gemeinsam weiterzulaufen. Trailfamily-Time!

Hacket Hut
Tapferes Stevilein

Am nächsten Tag warteten 1495 m Anstieg auf uns. Man sollte ja meinen, nach zwei Monaten wandern ist sowas ein Klacks. Aber der Anstieg fiel mir so schwer! Für mich der anstrengendste Tag bisher! Aber die Aussicht belohnte uns hundertmal. So hatten wir uns das Wandern vorgestellt: schön auf dem Kamm entlang in einer malerischen Kulisse bei bestem Wetter.

Ein typischer Morgen auf dem Te Araroa
#Trailfamily

An der Old Man Hut angekommen, stellten wir fest, dass es doch nicht so easy-peasy mit dem Übernachten in den Hütten ist. Die meisten Hütten auf diesem Abschnitt haben nur sechs Betten und die kann man eigentlich schon mit TA-Hikern locker füllen. Hinzu kommen aber noch all diejenigen, die hier einfach mal so für ein paar Tage wandern gehen. Schlussendlich teilten Jan und ich uns ein Bett und etliche andere stellten ihr Zelt draußen auf, was bei dieser Hütte zum Glück möglich war.

Am nächsten Tag ereilte uns das gleiche Problem. Nach einem eh schon langen 10-Stunden-Tag und 1875 m Aufstieg auf den Mount Rintoul Summit kamen wir an der Mid Wairoa Hut an, in der Hoffnung auf zwei Betten und eine heiße Schoki.

Windiger Mount Rintoul Summit
Blumenkohl-Blumen

Aber Pustekuchen: Alle Betten waren bereits belegt und in der Hütte mindestens 40 Grad, da die Bewohner es bevorzugten die Fenster nicht zu öffnen. Kein Ort, wo wir unsere Luftmatratzen auf den Boden legen wollten…

Draußen gab es nur eine einzige halbwegs ebene Fläche, auf der man hätte sein Zelt aufstellen können. Allerdings herrschte dort eine regelrechte Sandfly-Plage (@Daniel und Jenny: Schnoocheplooch ?).

Die nächste Hütte lag laut offiziellen Angaben 4,5 Stunden und schlappe acht Flussüberquerungen entfernt und hatte keine Campingflächen, auf die man hätte ausweichen können, sollte die Hütte bereits belegt sein. Es war schon 17 Uhr, aber da wir bisher maximal 2/3 der offiziellen Zeitangaben brauchten, ließen wir es drauf ankommen. ?

Der Weg am Fluss Wairoa entlang war super schön mit vielen Wasserfällen – schade nur, dass wir ihn nicht wirklich genießen konnten, weil wir so schnell wie möglich zur Hütte kommen wollten.

Wairoa River
Letzte Flussüberquerung des Tages…

Unsere Stoßgebete gen Himmel wurden erhört. Ein Bett war noch frei, das Jan und ich uns teilten (auch wenn wir letzte Nacht in dieser Konstellation quasi kein Auge zugetan hatten). Witzig, wir stellen fest, dass wir an diesem Tag so viel gelaufen waren, wie die anderen in den letzten zwei Tagen… laut offiziellen Zeitangaben 18 Stunden. ?

Kurz vor Sonnenuntergang kamen auch Amélie und Stev an, die die gleiche Entscheidung wie wir getroffen hatten, aber nun leider mit dem Boden vorlieb nehmen mussten. Immerhin gab es hier keine Sandflies und somit konnten wir die Fenster auflassen und hatten eine sehr angenehme Hüttentemperatur. Nur eine Maus hatte es sich in der Hütte gemütlich gemacht und sich durch mein Rucksack-Mesh in unsere Nusstüte geknabbert… ?

Am nächsten Tag war es vorbei mit dem guten Wetter. Das leichte Nieseln beim Loswandern entwickelte sich auf dem Gipfel zu eisigem Sturm und peitschendem Regen, der sich wie Hagel anfühlte. Noch dazu steckten wir so tief in den Wolken, dass wir den nächsten Wegweiser einige Male nicht erspähen konnten!

Blick zurück auf die Top Wairoa Hut
Les Misérables

Komplett durchnässt kamen wir an der Hunters Hut an. Hier hatten sich auch die anderen fünf aus der letzten Hütte bereits eingefunden, die früh aufgebrochen waren um das gute Wetterfenster vor dem angekündigten Regen zu erwischen. Zum Glück war dies eine 8-Betten Hütte, die zudem nicht mit einzelnen Betten sondern einem Matratzenlager ausgestattet war. So kann man besser zusammenrücken und wir fanden alle ein weiches und warmes Plätzchen zum Trocknen und Ausruhen und verbrachten den Nachmittag in der Hütte.

Hunters Hut
Blick auf den Mond

Am nächsten Tag wanderten wir bis zu dem kleinen Ferienort St. Arnaud. Wir brauchten somit nur sechs statt der veranschlagten neun Tage für die Richmond Range. Sechs Tage ohne Dusche reichten aber auch aus! ?

In St. Arnaud wartete unser erstes Essenspaket für den folgenden Abschnitt auf uns. Jetzt müssen wir mal sehen, was wir mit dem Essen machen, das wir aus der letzten Etappe noch übrig haben. Hier gibt es einen kleinen Burgerladen und am Sonntag ein All-you-can-eat Barbecuebuffet. Das ist sehr viel verlockender als non stop Ramennudeln mit Thunfisch, Couscous mit Thunfisch oder Instant-Kartoffelpüree mit – nein, nicht Thunfisch ? – Erdnussbutter zu essen… ?

Foodbox No 1
Burger noch vor der ersten Dusche
St. Arnaud – Lake Rotoiti

1 Kommentar

Lass uns einen Kommentar da