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Sechzehnte Etappe: Neuseelands Schokoladenseite auf dem Weg nach Wanaka

  • Tag 91-96
  • Etappe: 194 km
  • Total: 2583 km

Ab Lake Tekapo führt der Te Araroa für 90 Kilometer entlang des Alps2Oceans Mountainbike-Trails. Ideale Ausgangsbedingungen, um ebenfalls auf den Sattel zu steigen – zumindest für die nächsten 56 km. Die ersten 30 Kilometer verliefen eintönig am Tekapo Kanal entlang – waren wir froh, diese mühelos hinter uns lassen zu können! ?

30 km entlang des Tekapo Kanals…
Lake Pukaki
Mount Cook in der Ferne

Nur ein Fehler unterlief uns: Wir entschieden uns gegen einen Gepäcktransport und fuhren mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken. Die sind zwar verhältnismäßig leicht, aber wohl doch schwer genug, dass uns schon nach wenigen Kilometern die Hintern dermaßen wehtaten… ?

Zum Glück konnten wir die Mountainbikes nach gut 50 km in dem Ort Twizel wieder abgeben und gingen das letzte Drittel des Alps2Oceans-Mountainbiketracks am nächsten Tag zu Fuß.

Lake Ohau
Herbst?!?

Am Abend zelteten wir auf einer Wiese neben der Hütte eines Skiclubs, laut unseren Trailnotes sollten wir dort gern gesehene Gäste sein und dürften Toilette und Wasseranschluss mit benutzen. Nur irgendwie schien das bei den Mitgliedern des Skiclubs nicht angekommen zu sein. Die waren gar nicht erfreut, dass wir ihr gemütliches Hüttenwochenende “störten”. Naja, wer kann es ihnen verübeln: Am Ende des Tages standen auf der Wiese 12 Zelte…

Inzwischen sind nicht mehr nur wir Sobos (Southbounder) auf dem Te Araroa unterwegs, sondern vermehrt auch die Nobos (Northbounder, die an der Südspitze gestartet sind und Richtung Norden laufen).

Am nächsten Morgen gelang es Jan und mir eines der wenigen Male auf dem Trail zum Sonnenaufgang aufzubrechen. Nach 24 km Trail galt es den Fluss Ahuriri zu überqueren – der größte Fluss auf dem Te Araroa, der auch offiziell Teil davon ist (anders als die Flüsse Rakaia und Rangitata auf der vorherigen Etappe) – oder die Brücke zu nehmen und 12 km drumherum zu laufen. In diesem Fall hieße es ein langer Tag zu werden…

Durch weite Tussock-Landschaft ging es zur Abwechslung mal leicht für uns voran. ?

Blick zurück auf Lake Ohau

Am Fluss angekommen sah dieser leider gar nicht leicht passierbar aus. Das Bild gibt das nicht wirklich wieder – aber man sieht auch nicht, dass es flussaufwärts regnete und gleichzeitig richtig windig war.

Ahuriri River – von Nahem nicht mehr so harmlos!

Unversucht wollen wir die Überquerung aber nicht lassen! 12 Kilometer extra klingen auch für uns nicht verlockend. ?

Wir gingen den Fluss auf und ab und versuchten die Überquerung erst an einer Stelle mit einer Sandbank in der Mitte des Flusses. Auf unserer Seite war der Fluss easy zu durchqueren, aber auf der anderen Seite war die Strömung super stark. Also zurück.

Vielleicht war es besser an der breitesten Stelle durchzugehen? Wir waren schon mehr als die Hälfte gekommen, als die Strömung immer stärker wurde und der Fluss mit jedem Schritt tiefer. Es ist echt krass, welche Kraft so ein Fluss hat!

Ach, naja, was sind schon 12 Kilometer mehr oder weniger!? ? Also sind wir wehmütig wieder zurückgewatet und oberhalb des Flusses Richtung Brücke gelaufen… glücklicherweise wurde aus der 12-Kilometer-Detour dann nur ein 6-Kilometer-Umweg, da uns auf der anderen Seite des Flusses ein älteres Ehepaar einsammelte, das ‘einfach mal so’ die Dead-End-Road hochfuhr.

Auf der anderen Seite trafen wir Felix, dem es gelungen war, den Fluss zu durchqueren. Easy, meinte er. ???

Da es inzwischen richtig windig war und anfing zu regnen, schlugen wir uns gemeinsam noch zwei weitere Stunden voran zur ‚Tin Hut’, einer privaten Hütte, die wir nutzen dürfen. Würdet ihr Tag für Tag Wildfremde eure gemütliche Alpenhütte nutzen lassen? Richtig: nein.

Entsprechend heruntergekommen war die Hütte. ???

Tin Hut

Eine Überraschung hielt sie jedoch bereit: Brandon, den wir zuletzt im Russell Forrest auf Kilometer 275 gesehen haben! Er hatte damals beschlossen nicht weiter dem Te Araroa zu folgen, sondern direkt auf die Südinsel zu fahren um die Highlights Neuseelands zu sehen. Ich dachte damals noch, wie er denn bitte nach zwei Wochen den gesamten Te Araroa beurteilen könne…

Es scheint jedoch, als hätte er eine richtig gute Zeit gehabt und echte landschaftliche Schönheiten gesehen. War er am Ende doch schlauer gewesen als wir? ?

Der nächste Tag war laaaaaang: Überquerung des Martha Saddles, stundenlanges Ausweichen des Flusses Timaru (Wald hoch, am Berghang entlang, Wald wieder runter, Fluss queren und das ganze Spiel von vorne), 2 km steiler Aufstieg zur mausversäuchten Stodys Hut, um dann kurzerhand zu beschließen, dass wir die restlichen 11 Kilometer zur Pakituhi Hut auch noch schaffen. Puh, was waren wir froh, als wir nach 38 Kilometern um 20 Uhr dort ankamen und sogar noch Matratzen für uns frei waren! ?

Hinauf zum Mt Martha Saddle
…wo bald immer weniger wuchs…
…nur diese hartgesottene Schönheit
Mt Martha Saddle mit Mount Aspiring im Hintergrund
Unterwegs mit Traillegende Felix
schöne Top Timaru Hut
Toilette mit Aus- und Einsicht…
Einfach durch den Timaru River…
…oder beschwerlich um den Fluss herum.
steil hinauf für diese Aussicht
die letzten langen Kilometer zur Pakituhi Hut

Und wie viel mehr freuten wir uns am nächsten Morgen! Über Nacht fiel die Temperatur unter null Grad, während wir drinnen ‘ausschlafen’ konnten. ???

Sehr entspannt wanderten wir zunächst am Lake Hawea, später am gleichnamigen Fluss bis kurz vor Wanaka, wo wir uns ein lauschiges Zeltplätzchen suchten, um am nächsten Tag nur noch wenige Kilometer laufen zu müssen und damit quasi einen Tag Pause im Hipsterstädtchen Wanaka zu genießen.

Lake Hawea
Lake Hawea
auf dem Weg nach Wanaka
Lake Wanaka
Beliebtestes Fotomotiv in Wanaka…
Unsere Gelüste – immer das gleiche…

1 Kommentar

  1. Ach, es ist einfach sooo schön euren Blog zu lesen und in Urlaubserinnerungen zu schwelgen. Falls ihr Lust auf Kino habt, in Wanaka gibt es ein schönes, wo man in halben Autos sitzt. Sehr witzig und um die Ecke gibt’s lecker Eis ?

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