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Mexiko: Palenque und San Cristóbal im schönen Chiapas

Man könnte meinen, wir reisen absichtlich so, dass das Thermometer bei jedem neuen Ziel ein paar Grad mehr anzeigt:

  • Cancun und Holbox: 28 Grad
  • Playa del Carmen und Tulum: 29 Grad
  • Valladolid: 32 Grad
  • Merida: 34 Grad
  • Campeche: 38 Grad
  • Palenque: 42 Grad ?

Nach 6 Stunden Busfahrt in Palenque angekommen haben wir zumindest meine Hitzetoleranzgrenze erreicht. Eigentlich längst überschritten. Ich freue mich, dass der Aufenthalt in Palenque nur zwei Nächte dauert und es anschließend ins mexikanische Hochland nach San Cristóbal de las Casas geht. Anfang 20 Grad versprechen genau die Abkühlung, die ich mir ersehne!

Palenque im Bundesstaat Chiapas ist eine unspektakuläre Kleinstadt, die jedoch Tor zum Dschungel und zu den gleichnamigen Mayaruinen ist. Noch mehr Ruinen? Jep, diese wollten wir uns noch anschauen. Im dichtesten Dschungel gelegen sollen sie sehr eindrucksvoll sein.

Unsere Unterkunft lag etwas außerhalb der Stadt auf halbem Weg zu den Ruinen und hatte dadurch ein besonderes Dschungelfeeling – auch weil sie eher in die Kategorie ‚basic’ fällt. Die naturverbundene Atmosphäre des Gebäudes (der Flur läuft ohne Türen auf die Terrasse hinaus, die direkt mit dem kleinen Innenhof verbunden ist) gefiel uns auf den zweiten Blick jedoch weniger, da die Toiletten und Duschen nur mit Vorhängen abgetrennt waren und wir in der Küche keinen einzigen Topf fanden, der uns vertrauenswürdig genug aussah um ihn zu verwenden… ?

Terrasse unserer Unterkunft
Dschungelfeeling

Zusätzlich zu den Ruinen gibt es rund um Palenque jede Menge Wasserfälle zu sehen. Eigentlich hatten wir uns das bekannteste Wasserfall-Areal für unseren Abstecher ausgeguckt: Agua Azul. Unser Gastgeber empfahl uns jedoch das erst vor zwei Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich gemachte Areal Roberto Barrios, das bei weitem nicht so überfüllt und touristisch erschlossen wie Aguas Azules sei. Überzeugt – ein zweites Chichén Itzá Erlebnis wollten wir uns gerne ersparen.

An dieser Stelle muss ich mal eine Beobachtung loswerden: Wenn es etwas gibt, das die Mexikaner nicht können, dann ist es Karten lesen! Wir haben uns schon immer gewundert, warum die Taxifahrer regelmäßig verzweifelt sind, wenn wir ihnen den Google Maps-Ausschnitt unserer jeweiligen Unterkunft vor die Nase hielten. Da viele mexikanische Städte keine Straßennamen sondern nur durchnummeriert sind, ist es eigentlich supereinfach jegliche Adresse zu finden, auch wenn man sich gar nicht auskennt (was man als Taxifahrer aber besser sollte… ?).

Jedenfalls – zurück zur Geschichte – baten wir unseren Gastgeber uns die empfohlenen Wasserfälle Roberto Barrios auf der Karte zu zeigen. Nein, das könne er nicht. (?) Also gaben wir es bei Google ein, das ein Ergebnis an der guatemalesischen Grenze ausgespuckte. Wir zeigten ihm das Suchergebnis und meinten, dass könne ja nicht sein. Doch doch, meinte er, da die Strecke flach und nicht gebirgig sei, sei man dort eben viel schneller als in Agua Azul (das zwar nur 60 km von Palenque entfernt liegt, für die man jedoch mit 1,5 Stunden Fahrzeit rechnen muss). 40 Minuten für 250 km?!? Wir sahen ein, dass wir hier nicht weiterkämen… ?

Zurück im Stadtzentrum gelang es uns einen Transfer zu den Wasserfällen zu organisieren, die tatsächlich nur 40 Minuten außerhalb von Palenque liegen (das Google-Ergebnis war ein anderer gleichnamiger Ort…). So stand also einem vollgepackten Ruinen- und Wasserfall-Tag nichts im Wege!

Für die Besichtigung der Ruinen von Palenque schlossen wir uns das erste Mal einer kleinen Führung an – trotz Jans Protesten, der meinte, das stünde alles auch auf Wikipedia (womit er auch Recht hatte). Aber ich finde, es hat sich dennoch gelohnt!

Bedeutenstes Gebäude von Palenque: Palast der Inschriften

Palenque ist eine ehemalige Maya-Metropole, die seit 800 n. Chr. nicht mehr bewohnt und seitdem den Kräften des Regenwalds ausgesetzt war. Die Stadt war über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten und wurde in dieser Zeit komplett vom Dschungel überwuchert. Sogar Bäume wuchsen auf den Gebäuden.

Blick auf einen Teil des Areals

Das bisher freigelegte Areal, das bereits sehr beeindruckend ist, stellt jedoch gerade mal 5 Prozent der ehemaligen Metropole dar. 95 Prozent sind noch immer von der Regenwald-Vegetation verschlungen – und werden es aus Geldmangel vermutlich auch bleiben. Wir haben noch eine kleine Wanderung durch den Dschungel gemacht und einige ehemalige Gebäude gesehen. Das machte erst so richtig deutlich, wie viel Arbeit die Restaurierung bedeuten würde!

Etwas schwer zu erkennen: der Eingang zu einem vom Dschungel verschlungenen Gebäude

Während wir auf unseren Transport zu den Wasserfällen Roberto Barrios warteten, sahen wir eine Gruppe von Affen – und ich glaube, es waren die berüchtigten Brüllaffen. Unter ihnen war sogar ein kleiner Babyaffe. ❤️?❤️

Der kleine Fleck über den linken Affe ist der Babyaffe

Die Kaskaden Roberto Barrios haben uns positiv überrascht. Ein riesiges Areal von Wasserfällen und Wasserbecken, das man herunterläuft und sich eines der Becken zum Schwimmen aussucht. Klares, nicht zu kaltes Wasser. Herrlich!

Dieses sollte unser Becken sein!

Außer den Leuten aus unserem Van waren kaum Touristen dort, sondern vor allem Schulkinder, die teilweise in ihren Klamotten badeten. Die Mexikaner sind eben doch etwas prüde… ?

Baden in Vollmontur – wieso nicht…

Nachdem wir eine gute Stunde geplanscht und in der Sonne gebadet hatten, erkundeten wir das Areal weiter und verliefen uns dabei (fast). Die Wasserfälle und -becken fächerten sich immer weiter auf, bis wir an einem Dörfchen rauskamen, an dem die Locals die Wasserfälle sogar zum Wäschewaschen nutzen.

Natürlicher Infinity Pool!

Nach einer fast schlaflosen Nacht in unserer Dschungelunterkunft (irgendwie wollte die angenehme 25 Grad Außentemperatur einfach nicht in unser Zimmer, so dass es dort weiterhin gefühlte 40 Grad waren, die immerhin von einem Ventilator hin und her gewendet wurden…) und einem Brüllaffen-Weckkommando (❤️) saßen wir schon wieder im Bus zu unserem nächsten Ziel: San Cristóbal de las Casas auf gut 2000 m in der Sierra Madre. Prognostizierte maximale 25 Grad. Juchuuuuuu!

Auf direktem Weg sind das gerade mal 215 km, für die man allerdings 4,5 Stunden braucht (da der Weg durchs Gebirge verläuft). Die Busse fahren jedoch eine doppelt so lange Strecke weit außenrum und benötigen 8 Stunden. Wobei ich nicht weiß, ob sie das machen, da die bergige Strecke für die Busse zu schmal ist, oder der Umweg aufgrund mehrerer an der Strecke liegender Städte ökonomischer ist, oder ob sie den immer wieder auftretenden Straßensperrungen der Zapatisten im Hochland Chiapas aus dem Weg gehen wollen.

Irgendwann haben wir es jedenfalls geschafft und sind in San Cristóbal de las Casas angekommen. ?

Der erste Eindruck war nicht überragend: Unsere Laune war von der langen Busfahrt eh schon im Keller und hob sich im kalten verregneten San Cristóbal nicht. Auch unsere Unterkunft war mehr als ernüchternd. Statt in einem familiären BnB empfangen zu werden, wusste man am Empfang nichts von unserer Reservierung. Als wir dann doch ein Zimmer bekamen, waren Haare in der Dusche, der Klodeckel blieb nicht oben (nein, das ist kein Luxusproblem! ?) und die Heizung ratterte im Flur. Hier wollen wir die drei reservierten Nächte nicht bleiben! Also versuchten wir die beiden letzten Nächte zu stornieren. Stattdessen bot uns der Rezeptionist ein anderes Zimmer an. Den King Size Room. In dieser Unterkunftskategorie quasi die Honeymoon-Suite. Na gut, probieren können wir es ja mal. ?

Die Lobby – leider nur eine schöne Fassade
Bestes Zimmer des Hotels…

Am folgenden Tag zeigte sich schnell: unser erstes Urteil über San Cristóbal hatten wir voreilig gefällt! Die Stadt ist wunderbar! Die interessanteste Stadt, in der wir bisher in Mexiko waren. Nicht zu Unrecht hat sich hier eine – ich nenne es mal – Hippiekultur entwickelt. Organic Coffee und Schokolade aus Chiapas sind die Aushängeschilder Nummer 1 der Stadt, die man in süßen Shops und Cafés angepriesen bekommt. Daneben zahlreiche Kunsthandwerkslädchen. Und überall hängen Flyer für Yoga-Retreats, Massage-Workshops, usw. ❤️❤️❤️

Bilder sagen wie immer mehr als tausend Worte, daher nehme ich euch mit auf unseren Spaziergang durch die Stadt:

Kathedrale von San Cristóbal
Santa Lucia
Schönste Straße San Cristóbals: Real de Guadalupe
Fußgängerzone in Mexiko!
Aufstieg zur Kirche Guadalupe
Blick von der Kirche Guadalupe auf San Cristóbal
Blick in eines der süßen Cafés
Zweites Frühstück mit veganem Schinken (=angebratenen Kokosflocken!)
Markt für Kunsthandwerk…
…der rund um den Templo de Santo Domingo stattfindet.
Neue Errungenschaft…
Mercado Principal
Yummy
Leckere Granadillas
Le coq est mort!
2 Kilo Bananen für 2 Pesos (~10 Cent) klingt fair!
Mein Lieblingssnack: Bananenchips

So zahlreich die Augenweiden auch sind, gibt es leider auch Schattenseiten. Chiapas ist der ärmste Bundesstaat Mexikos und das zeigt sich in der touristischsten Stadt der Region sicher am deutlichsten. Erst witzelten wir noch, dass es hier überraschend wenige übergewichtige Mexikaner gibt (Mexiko ist das übergewichtigste Land der Welt!). Aber Armut ist natürlich alles andere als zum Scherzen… In San Cristóbal versuchen viele Kinder auf der Straße ihre Waren zu verkaufen. Sie sind kaum im Schulalter bzw. sind im Schulalter ohne aber in die Schule zu gehen… Auch im Restaurant, vor allem abends, kommt es etwa zehnmal die Stunde vor, dass Kinder hereinkommen und dir etwas verkaufen wollen…

Dies gesagt, möchte ich mir weder ein Urteil über die Probleme der Region anmaßen, noch wird meine Beschreibung der Situation ausreichend gerecht. Ich finde es aber wichtig zu erwähnen, denn der schöne Anschein der Stadt hat leider einen traurigen Beigeschmack…

San Cristóbal de las Casas bietet haufenweise Gelegenheit für Ausflüge ins mexikanische Hochland Sierra Madre. Für uns sollte es eine Mountainbiketour zu zwei Bergdörfern des Volkes der Tzotzil sein. Dies sind Ureinwohner Mexikos und Nachfahren der Maya-Kultur. Hier sprechen 50 Prozent der Menschen kein spanisch, sondern ausschließlich die indigene Tzotzil-Sprache. Unter den Kindern sind es sogar 80 Prozent.

Ich hatte in den TripAdvisor-Rezensionen gelesen, dass es eine ziemlich anstrengende Tour sein soll, insbesondere da die Luft auf über 2000 m eben doch etwas dünner ist. Aber sind wir nicht erst vor fünf Wochen noch durch die neuseeländischen Alpen spaziert? Das muss doch als Training ausreichen! ?

Äh nein. Viel Kondition ist davon leider nicht mehr übrig… schon der erste längere Anstieg zwang mich zum Abstieg… Als dieser geschafft war, meinte unser Guide, jetzt ginge es nur noch ein bisschen geradeaus und dann bergab. Zumindest bis zum ersten Zwischenziel – dem Örtchen Chamula. Dort steht eine Kirche, von der alle sagen, dass sie ein einmaliges Erlebnis sei. Und da man innen keine Fotos machen darf, muss man auch wirklich dagewesen sein, um sich ein Bild davon machen zu können. Endlich zog Jans Argument ‘kann ich mir auch auf YouTube angucken’ einmal nicht. ?

Auf dem beschwerlichen Weg nach Chamula…

Als wir ankamen, werkelte jedoch gerade eine ‚Putzkolonne’ in und um die Kirche rum und kehrte ganze Wassermassen aus der Kirche heraus. Das passiert genau genommen einmal im Jahr. Nämlich genau zur Semana Santa, der Woche vor Ostern, die am nächsten Tag begann. Schlechtes Timing.
Aber in 5 Minuten sollten sie fertig sein. Mexikanische 5 Minuten… In diesem Fall eine Stunde Wartezeit. Für… nichts! Denn normalerweise ist der Boden mit Fichtennadeln bedeckt, alles voller Kerzen und Weihrauch usw. usw. Das alles hatte die Putzkolonne mit weggeputzt, so dass es im Endeffekt eine ganz normale Kirche zu bestaunen gab…

Kirche von Chamula

So stiegen wir wieder auf unsere Räder zum nächsten Bergdorf: Zinacantán. Eine Teilstrecke war so steil, es fühlte sich an wie 90 Grad. Downhill-Mountainbiken liegt mir auf jeden Fall mehr als bergaufwärts zu fahren. So langsam dämmerte es mir, warum es kaum Anbieter für Mountainbike-Ausflüge in San Cristóbal gibt. Wer tut sich diese Strapazen schon freiwillig an?

Unsere Truppe

Aber bald war auch das zweite Drittel unserer Tour geschafft und wir kehrten in Zinacantán bei einer Familie ein, die allerlei Kleidung, Tücher usw. nach traditioneller Webtechnik fertigt. Wir durften die traditionelle Kleidung anprobieren, wozu auch Jan von mir genötigt wurde. ?

Obwohl die Kleidung insbesondere den beiden Jungs einwandfrei stand, waren es seltsamerweise nur wir beiden Mädels, die um ein paar neue Fetzen feilschten. ?

Wir saßen noch bei ein paar homemade Tacos beisammen, bevor wir die letzten 12 km antraten, von denen nur das allerletzte Teilstück bergabwärts ging. ? Aber zumindest das hat Spaß gemacht. ?

Am Abend nahmen wir dann den Nachtbus zu unserem nächsten Ziel: Oaxaca. 12 Stunden für 430 km… ???

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