Während ich Valladolid auf den ersten Blick ins Herz geschlossen hatte, geschah beim ersten Eindruck Méridas genau das Gegenteil: Laut, voll, unermüdlicher Verkehr und kein Luftzug unter der sengend heißen Sonne… Nein, die angeblich schöne (?!) Hauptstadt Yucatáns wird nicht mein Lieblingsort!


Einen echten Glücksgriff hatten wir allerdings mit unserem AirBnB! Trotz super zentraler Lage war es eine Oase der Ruhe. Ein schöner Innenhof trennte unser Zimmer von der Straße, so dass wir das erste Mal in Mexiko ganz ohne Oropax schlafen konnten. Wobei ‘Zimmer’ eine echte Untertreibung ist, denn wir hatten auch ein eigenes Bad und ein Vorzimmer und nicht zuletzt war auch ein Frühstück in den 20 € pro Nacht inkludiert!


Ich merke mehr und mehr, dass das mexikanische Klima an meiner Hitzetoleranzgrenze nagt. Während an der Küste immer ein leichtes Lüftchen wehte, steht die Luft in Mérida einfach mal still. Stundenlang in der Sonne durch die Straßen tigern ist einfach nicht drin. Hier also die paar Eindrücke von der Stadt, die wir zwischen unseren Ruhepausen mitgenommen haben.









Ganz oben auf meiner Reise-Bucketlist steht: Flamingos sehen. Natürlich in ihrem natürlichen Lebensraum. Und von Mérida aus sollte es so weit sein!
Aber kein Highlight ohne Preis: Um 5 Uhr klingelte unser Wecker um die 2,5 stündige Busfahrt nach Celestún anzutreten. Dieses liegt zwar nur 100 km entfernt, aber in der Holzklasse dauert es eben etwas länger…
Wir hätten durchaus auch später fahren können, denn nach Celestún fährt von Mérida aus stündlich ein Bus. Aber ich wollte kein Risiko eingehen, dass die Flamingos von allen anderen Besuchern weggejagt werden… Dieses Risiko besteht ja beim Ruinen-Besichtigen nicht…

In Celestún angekommen heuerten wir am Strand ein Boot an. Einer der Fischer versprach uns über tausend Flamingos. Jaaaaa! Schon bald pesten wir Richtung Lagune vorbei an vielen Pelikanen und Komoranen. Aber dafür hatten wir diesmal kein Auge.

Und da waren sie wie versprochen! Scharen von pinken Flamingos! Wir durften uns ihnen bis auf ca. 10 m nähern um sie nicht aufzuschrecken. Ein Flamingo benötigt täglich 12 Stunden für eine ausreichende Nahrungsaufnahme. Da haben wir nach unseren hungrigen Te Araroa-Zeiten besonders viel Verständnis für.
Leider zeigen sich hier immer wieder die Grenzen der Handykamera, weil sie logischerweise nicht anständig zoomen kann. Ich wünschte, ich hätte meine Kamera doch mitgenommen…






Im November und Dezember ist übrigens Flamingo-Hochsaison in Celestún, zu der sich bis zu einhunderttausend der Vögel im Biosphärenreservat tummeln sollen.
Anschließend fuhr uns unser Kapitän noch in eine Mangroven-Lagune mit einem ‘Wasserauge’ (Wasserquelle, die aus dem Boden nach oben sprudelt). Naja, ehrlich gesagt hätten wir die Zeit lieber bei den Flamingos verbracht!

31.03.-04.04.2017
Nach drei Tagen in Mérida fuhren wir weiter in die ehemalige Kolonialstadt Campeche (eigentlich San Francisco de Campeche), die gut zwei Stunden von Mérida entfernt liegt. Campeche ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, der zusammen mit den Nachbarstaaten Yucatán und Quintana Roo die beliebte Yucatán-Halbinsel formt. Tatsächlich nimmt aber der Tourismus westlich von Mérida rapide ab. Gut für uns!

Wieder ans Meer, dachten wir uns bei der Wahl von Campeche als nächstem Ziel. Tja, falsch gedacht. Also am Meer liegt es schon, ganz so sehr irren wir uns dann doch nicht. Aber leider gibt es nur einen Hafen, keinen Strand. Kleines Missverständnis: Der Bundesstaat Campeche soll traumhafte, unberührte und kilometerlange Stände haben; nicht aber seine gleichnamige Hauptstadt.
Entsprechend fiel die Begrüßung unseres AirBnB-Gastgebers auch eher in die Kategorie “Und was habt ihr euch genau dabei gedacht, vier Nächte in Campeche verbringen zu wollen?!”
Campeche war vom ersten Moment an so entspannt! Vor allem im Vergleich zum lauten, vollen und stickigen Mérida. Durchatmen in der Stadt, wer hätte das gedacht?

Abends gab es ein Folklorefest auf dem Marktplatz mit anschließender beeindruckender Licht- und Musikshow (ähnlich wie die Karlsruher Schlossfestspiele - nur ohne Schloss), die die Geschichte der Stadt erzählte.




Campeche hat ein tadellos erhaltenes koloniales Zentrum. Angeblich das besterhaltenste des ganzen Landes. Und da wir während unseres Campeche-Aufenthalts weder die Ruinen von Edzna noch von Calakmul anschauten, hatten wir genügend Zeit das historische Örtchen ausgiebig zu erkunden. Soweit man bei durchschnittlich 38 Grad etwas ausgiebig erkunden kann…


Weil die Hitze vor allem mir ganz schön zusetzt, haben wir ein paar Aktivitäten für Faule finden müssen:
1. Kino
Wir waren das erste Mal während unserer Reise im Kino! Nicht in irgendeinem, sondern im VIP-Kino mit mega breiten und bequemen Sesseln, Beinfreiheit und Bedienung am Platz für - haltet euch fest - 6,50 €.? Mittags um 12 ist zudem bei einem Film im englischen Original auch nicht unbedingt was los. Vielleicht lag’s auch am Film…

2. Shopping!
Ich laufe seit vier Monaten, genau genommen seit Kilometer 600 des Te Araroa, mit derselben kurzen Hose rum. Ein ärmelloses Merino-Top habe ich mir während unserer letzten Tage in Neuseeland für das warme Südamerika zugelegt. Seit vier Wochen meistere ich also die Same Outfit every day-Challenge ohne Entzugserscheinungen.
Daher habe ich mehr aus Spaß im Shopping Center eine Jeans-Hotpants und ein Nicht-Funktions-Shirt anprobiert. Was für ein neues Lebensgefühl! Gekauft!

3. Bimmelbahn
Es gibt in Campeche kleine offene Wagons, die Touristen durch Campeches Zentrum chauffieren - kombiniert mit interessanten Fakten zur Stadtgeschichte. Zumindest nehme ich an, dass sie interessant waren. Die Stadtführung findet nur in spanischer Sprache statt und bis ich entziffert hatte, von welchem Jahr gerade gesprochen wurde, hatte ich den Faden längst wieder verloren. Mil novecientos ochenta y nueve…


Campeche ist definitiv eine Stadt fürs Auge. Ich könnte Stunden damit verbringen durch die Stadt zu tigern und Schnappschüsse von den eiskremfarbenen Hausfassaden und historischen Gebäuden zu machen…








Ja, Campeche ist wirklich so schön, wie meine Bilder es euch glauben lassen!
Jetzt setzen wir uns gleich in den Bus, um 300 km nach Palenque in den Bundesstaat Chiapas zu fahren. 6 Stunden Fahrzeit sieht der Busfahrplan dafür vor…

