Valladolid war mir mit ihrem kolonialstädtischen Charme auf den ersten Blick sympathisch. Eigentlich hatten wir hier nur Quartier bezogen, da die Stadt die perfekte Ausgangslage für eine Besichtigung der größten Maya-Ruinen in Mexiko, Chichén Itzá, hat. Umso mehr freute ich mich, dass unsere AirBnB-Gastgeberin so viele Tipps parat hatte, dass es eine Sünde gewesen wäre, nach zwei Nächten wieder abzureisen.





Chichén Itzá bestätigte leider, was ich die ganze Zeit schon im Gefühl hatte: Hätten wir uns getrost schenken können. Nicht falsch verstehen: Die Ruinen sind imposant und bestimmt archeologisch sehr wertvoll. Und das können viele Besucher sicherlich mehr wertschätzen als ich. Zumindest hoffe ich das, so viele Menschen wie täglich dorthin strömen.
Aber ich konnte mit den Ruinen irgendwie nichts anfangen. Etwas nur im Vorbeigehen anzusehen - das löst bei mir gar nichts aus. Sicherlich ist es auch dem geschuldet, dass uns ein Ausflug nach Chichén Itzá an jedem einzelnen Tag in Mexiko angepriesen wurde. Ich hatte das Gefühl, ich muss das gesehen haben. Es war mehr Pflichtgefühl als mein eigener Wunsch. Zudem scheint es, es würde mehr ums Souvenir-Kaufen gehen… So viele Händler hab ich in meinem Leben noch nicht auf einem Fleck gesehen!
Wenn ich eines nicht kann, dann ist es ja Verhandeln. Aber was man hier beobachten kann, wie naiv manche Leute sich abzocken lassen… fast schon wieder ein Argument für Chichén Itzá.





Etwas Gutes brachte der Tag dann aber noch mit sich. Am Abend gingen wir in einen hübschen Coffeeshop, deren Besitzerin uns von einem Fahrradausflug zu zwei unbekannten Cenotes erzählte, den sie anbieten. Nicht ganz im Sinne des Erfinders nahmen wir das gerne als Inspiration für den folgenden Tag.

Der nächste Tag startete perfekt in einem mexikanischen Café mit einem leckeren Frühstück und viel frischem Obst (sieht man bloß auf den Bild nicht).

Von unserer AirBnB-Gastgeberin hatten wir uns zwei Fahrräder geliehen und auf ging es aus der Stadt heraus auf unsere 30 km Radtour. Klingt nicht weit, aber bei über 30 Grad völlig ausreichend!
Das Witzige ist, dass ich es hier in Mexiko gleich als kleines Abenteuer wahrnehme mit dem Rad auf eine Faust einen Ausflug zu machen. Dabei ist es ja das Alltäglichste auf der Welt. Es gab sogar die komplette Strecke einen Radweg!


Als erstes steuerten wir die unterirdische Cenote K’om Ha in dem kleinen Ort Tekom an. Dem Ort scheint wahrlich nichts daran gelegen zu sein, dass die Cenote von Touristen entdeckt wird, denn es gibt nicht mal ein Hinweisschild am Eingang. Und da sie unterirdisch ist, fährt man so auch einfach daran vorbei. Dabei wurde erst vor zehn Jahren ein schöner unterirdischer Zugang zu der Cenote gebaut…

Das Besondere ist, dass in der Höhlendecke ein Loch ist, durch das zur Mittagsstunde die Sonne auf die Cenote strahlt. Sehr magisch!

Weiter fuhren wir durch den kleinen Ort Chichimilá, in den sich scheinbar nicht wirklich viele Touristen verirren (obwohl ich ihn in einem Prospekt als Must-do für traditionelle Maya-Lebensart beworben gesehen habe). Zumindest hatten die Kinder viel Freude daran, dass zwei Gringos durch ihren Ort radelten.



Als Abschluss besuchten wir die Cenote Xla’Kaj. Die Cenote inklusive der in den Kalkstein gebauten Treppe sind eigentlich wunderschön, nur leider ein wenig verwahrlost… Dennoch schwammen wir ein paar Runden; zum Verweilen lud sie jedoch nicht wirklich ein (im Gegensatz zu den Cenotes bei Tulum - diese waren aber auch 6mal so teuer).



Wir waren lange unschlüssig, ob wir uns nach El Rey, Tulum, Cobá und Chichén Itzá noch eine weitere Maya-Ruine anschauen sollten. Die Ruinen von Ek Balam liegen mehr oder weniger vor der Haustür von Valladolid und sollten nur wenig frequentiert sein. Sie haben dafür aber auch einen recht stolzen Preis und wir sind nicht unbedingt Geschichts- oder Architekturfreaks, die alle Ruinen Mexikos gesehen haben müssen… Außerdem heißt so ein Ausflug immer ‘früh aufstehen’…
Aber dann entschlossen wir uns Ek Balam doch eine Chance zu geben und fuhren an unserem letzten Tag in Valladolid mit dem Colectivo dorthin.
Als wir ankamen, standen so ungefähr zwei Autos auf dem Parkplatz. Juhu! Tatsächlich war lediglich ein einziges Pärchen vor uns auf dem Gelände! Nach und nach kamen zwar noch weitere Besucher, aber insgesamt eine richtig tolle entspannte Atmosphäre.
Das Besondere ist, dass man auf alle Ruinen hinaufklettern darf, was die Besichtigung einfach viel spannender macht, als wenn alles abgesperrt ist und man nur von unten hochguckt (wie es in El Rey, Tulum und Chichén Itzá der Fall ist).






Einen 1,5 km Fußweg von dem archeologischen Gelände entfernt liegt die Cenote X’canché. Es war die so ziemlich schönste Cenote, die wir bisher besucht haben: Ein großes tief in einer Kalksteinhöhle liegendes Becken, mit klarem sonnengewärmtem Wasser gefüllt und von kleinen Fischen bewohnt. Die von den Wänden ins Wasser hängenden lange Baumwurzeln machen das Bild perfekt.
Ich wünsche, ich wäre etwas versierter, was Kopfsprünge und Seilschwingsprünge (ihr wisst, was ich meine) angeht… meine Versuche enden immer ziemlich elendig. Zum Glück gibt es meist nicht so viele Zuschauer.



Bevor wir am folgenden Tag den Bus nach Mérida nahmen, besuchten wir am Morgen noch la Casa de los Venados - die größte Privatsammlung mexikanischer Folklore- und moderner Kunst.
Die Sammlung des amerikanischen Ehepaars John und Dorianne Venator umfasst 3000 Stücke und befindet sich komplett in ihrem Wohnhaus, einer sanierten Stadthacienda inmitten Valladolids. Alles in allem sehr interessant anzusehen und durch ihre vier Wände (ok, ein paar mehr…) zu schlendern. Vor allem, da die Sammlung keinen Museumscharakter hat. Nichts ist hinter Glas verfrachtet oder abgesperrt, man darf alles fotografieren und sich auf alles (was zum Sitzen gedacht ist) draufsetzen.





Nächstes Ziel: Mérida

