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Mexiko: Grashüpfer-Tasting in Oaxaca und Sichtung des El Popo in Puebla

Nach einer langen 12-stündigen Nachtfahrt kamen wir frühmorgens in Oaxaca de Juárez, Hauptstadt des Bundesstaates Oaxaca, an. Wenn wir irgendwie die Wahl haben, werden wir uns nicht nochmal eine so lange Busfahrt antun.

In Mexiko gibt es leider keine Busse mit Liegesitzen (oder zumindest hatten wir nicht das Glück), so dass jeder Fahrgast seinen Sitz soweit zurück schraubt, wie es eben geht um etwas Schlaf zu bekommen. Hinter mir saß eine – nett ausgedrückt – korpulente Mexikanerin, die ich leider einquetschen musste, um nicht in der Senkrechten schlafen zu müssen – lo siento! ?

Glücklicherweise durften wir trotz früher Stunde schon in unser AirBnB und konnten eine Mütze voll Schlaf nachholen, bevor es auf eine erste Entdeckungstour ging. ?

Unser AirBnB

Eigentlich wollten wir ja diese Woche gar nicht in Oaxaca verbringen. Zumindest nicht in der Hauptstadt sondern an einem von Oaxacas Stränden. Doch die Woche vor Ostern ist die Haupturlaubswoche in ganz Mexiko – die Semana Santa. Jeder, der sich einen Urlaub leisten kann, fährt auch genau in dieser Woche in Urlaub. Somit waren wirklich alle Unterkünfte in allen Strandorten ausgebucht – und wir brauchten einen Plan B.

Als wir am Marktplatz ankamen, gab es dort einen riesigen Menschenauflauf! Allerdings keine Semana Santa-Feierlichkeit, sondern ein Protest, zu dem haufenweise Menschen aus den umliegenden Orten angereist waren. Wie wir später erfuhren, haben die Oaxaqueños eine ausgeprägte Protest-Kultur. Wenn ihnen etwas nicht passt, gehen sie auf die Straße. Und haben damit dann und wann auch Erfolg, z.B. verhinderten sie so die Eröffnung einer McDonald’s Filiale auf dem Marktplatz. ?

Frühstück im Boulenc
Viel los auf dem Zócalo – dem Marktplatz.

Oaxacas historisches Zentrum ist als Weltkulturerbe wunderbar erhalten, zudem ‚in voller Blüte‘ und Kunsthandwerksmärkte und -läden soweit das Auge reicht. ❤️

Überall blühende Bäume und bunte Fassaden
Tempel Santo Domingo
Versteckte Einkaufspassage für Kunsthandwerk
so schön kann ein Tor sein
Eingang zum botanischen Garten
Straße von Oaxaca

Jan hatte in Oaxaca leider mit seinem Magen zu kämpfen, so dass ich mir allein die Zeit vertreiben durfte. Ich hatte gelesen, dass ein Konzert in der Kathedrale​ stattfinden sollte. Das klang für mich nach einem guten Abendprogramm (und Jan war nicht traurig dieses zu verpassen… ?).

Vorher wollte ich noch einen Mezcal-Cocktail genießen, schließlich wird der Alkohol rund um Oaxaca hergestellt. Als der Cocktail gebracht wurde, verging mir der Durst ziemlich schnell: zwei geröstete Grashüpfer badeten in meinem Drink. Wiesooooo?!?

Das Konzert war dann übrigens eine ziemliche Enttäuschung, so dass ich mich nach einer halben Stunde aus der Kirche stahl… ?

Cocktail mit Fleischeinlage
Osterprozession – nicht so spannend…

Der Bundesstaat Oaxaca ist dafür bekannt die beste Küche ganz Mexikos zu haben. Warum dann also nicht hier einen Kochkurs machen? Zumal ich das mexikanische Essensangebot noch immer ziemlich undurchschaubar finde, da es nicht nur aus Tacos, Tortillas, Burritos und Quesadillas besteht, wie man es aus dem heimischen Sausalitos oder Enchilada kennt, sondern auch noch aus Gorditas, Gringas, Chilaquiles, Tamales, Elotes, Huaraches… ?

Zusammen mit Koch Gerardo von La Cocina Oaxaqueña, Kirsten aus New York und Manuel und Andrea aus Monterrey ging es zunächst auf den lokalen Markt um die Zutaten für unseren Kochkurs zu besorgen. Es ist wirklich bemerkenswert, wie viele Obst- und Gemüsesorten ich nicht kenne, obwohl doch inzwischen so einiges importiert wird!

Da waren sie plötzlich wieder – mein Albtraum des vorigen Abends: haufenweise Heuschrecken. In allen erdenklichen Größen. Und Manuel schlug beherzt zu, denn in Monterrey gelten Grashüpfer als Delikatesse.

Wie ich lernen musste, sind auch Heuschrecken ein wichtiger Teil der besten Küche Mexikos (Chapulines). Und ihr ahnt es schon – sie werden auch Bestandteil unseres Menüs sein… ?

Heuschrecken in allen Größen…
Keine Heuschrecken – aber ich fand die Füße bemerkenswert

Gekocht wurde im Haus von Gerardos Mutter in einer wunderschönen Outdoor-Küche. Auf unserem Kochplan standen:

  • Mole verde und amarillo (‚Mole‘ heißt Sauce, in diesem Fall besonders reichhaltige und schmackhafte, für die Oaxaca berühmt ist),
  • Guacamole
  • mit Grashüpfern und mit Pilz befallenem Mais (noch so eine Delikatesse… (Huitlacoche)) gefüllte Pepperonis
  • Tacos

Eine kurze Liste, die jedoch aufgrund der vielen Zutaten je Komponente ordentlich Zeit in Anspruch nahm. Und ich kann schon vorwegnehmen: Ich habe alles brav probiert!

Zugegeben: Die Grashüpfer waren die kleinste angebotene Sorte; zudem wurden die Pepperoni frittiert und waren ja auch noch mit anderem Krimskrams gefüllt. Aber trotzdem knackten sie beunruhigend beim Zubeißen. ?

Outdoor-Küche von la Cocina Oaxaqueña
das Team
mit Grashüpfern gefüllte Pepperoni: außen hui, innen pfui
Buen provecho!

Fazit: Sehr interessant, aber sehr unwahrscheinlich, dass ich etwas nachkochen werde (außer der Guacamole). Es könnte auch schwierig werden Zuhause gekochte oder gegrillte Grashüpfer zu finden. Zumindest wenn ich sie nicht selber fangen will. ?

Am nächsten Tag war Jan wieder mit am Start und wir fuhren nach Hierve el Agua. Wir erwarteten ein riesiges Areal von Wasserfällen und Infinity Pools. Uns erwartete: ein Infinity Pool ohne Wasser, ein versteinerter Wasserfall und ein weiterer kleiner Pool, auf den sich Busladungen von Urlaubern stürzten – der Semana Santa-Effekt… bin ich froh, wenn diese Feiertage vorbei sind!

Aber auch abgesehen von den Touristenströmen sollten wir unsere Erwartungshaltung vielleicht nicht nur von der Google-Bildersuche abhängig machen. Aber schaut her, sieht doch täuschend echt aus, oder?

Hierve el Agua, übersetzt ‚kochendes Wasser‘, ist zwar ein schönes Areal mit interessanten Kalksteinformationen und endlich mal Wildlife-Kakteen – aber ansonsten völlig überhyped. Schon erstaunlich: die Cascadas Roberto Barrios waren ein echtes Naturhighlight und sind nur unter ‚ferner liefen‘ als Sehenswürdigkeit gelistet, während Hierve el Agua als das Highlight überhaupt angepriesen wurde. Verrückt…

Um gleich jegliche Illusion zu nehmen: es war heillos überfüllt!
am Fuße der steinernden Wasserfälle
Blick nach oben
Das nenn ich mal einen Kaktus!
interessante Bodenstruktur

Anschließend ging es noch zu dem mit 52 m Umfang breitesten Baum der Welt ‚El Tule‘. Er ist enorm – und auch laut Wikipedia der breiteste Baum der Welt. Ich dachte ja, des Titels bemächtigen sich so einige ausgefuchste Dörfer. Aber es scheint zu stimmen!

El Tule – Rekordhalter des Titels ‚breitester Baum der Welt‘

Nicht fehlen auf einer Reise durch Oaxaca darf natürlich ein ausgiebiges Mezcal-Tasting! Statt wie bei einer Weinprobe ein Stückchen Brot zur Neutralisierung zu essen, knuspert man hier traditionell auf mit Limette, Chili und Salz frittierten Grashüpfern herum! Schon wieder! ?

Augen zu und durch esse ich nur einen als Appetizer, bevor ich mit dem Mezcal den Heuschrecken-Geschmack wegspülen kann. Und da Jan bekanntlich keinen Alkohol trinkt, knuspert er während meiner Mezcal-Probe einen Grashüpfer nach dem nächsten weg… ?

Da sind sie wieder!

15.04.-16.04.2017

Von Oaxaca ging es läppische 4,5 Stunden Busfahrt in die Hauptstadt des nächsten gleichnamigen Bundesstaates: Puebla (eigentlich Heroica Puebla de Zaragoza).

Als mein Tauchguide in Playa del Carmen seine Heimatstadt Puebla als Reiseziel empfahl, stellte ich mir ein kleines süßes Örtchen kurz vor Mexico-City vor. Tja, leicht daneben. Puebla ist mit 1,4 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt Mexikos. Und ausgerechnet hier meinten wir einen auf Sparflamme machen zu müssen und mieteten uns ein Zimmer außerhalb der Altstadt. In den Städten bisher wäre das kein Ding gewesen, aber in Puebla ist das ganz schön weit ab vom Schuss! ?

Pueblas historisches Zentrum ist schön – aber ehrlich gesagt sehen sich die mexikanischen Altstädte auf die Dauer doch recht ähnlich. ?

Aber ein Highlight, und diesmal ein wirklich echtes Highlight, hielt Puebla für uns bereit: den Anblick des fortwährend rauchenden Vulkans Popocatépetl – mit 5462 m der zweithöchste Berg Mexikos, der etwa 40 km von Puebla entfernt ist.

Popocatépetl

Live und in Farbe ist er immens beeindruckend! Als mein Handy die Szenerie einfangen kann sowieso. Gänsehaut pur.

Vor ziemlich genau einem Jahr ist der ‚Popo‘ das letzte Mal ausgebrochen und darf aufgrund seiner Aktivität nicht bestiegen werden. Ich hoffe dennoch sehr, dass sich von unserem nächsten Ziel aus eine Gelegenheit für einen Ausflug in den Nationalpark Popocatépetl und Iztaccihuatl ergeben wird: Mexiko-City.

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