Cartagena de Indias - die Schöne, die ummauerte Stadt, das koloniale Zentrum Kolumbiens. Die Straßen sind von Blumen gesäumt, die von den hölzernen Balkonen hinunter ranken. Die Fassaden bunt gestrichen. Und die berühmten Palenqueras, die Obstverkäuferinnen in sattgelben, roten oder orangefarbenen Kleidern, sind das i-Tüpfelchen dieses Bilderbuchkolumbiens.



Cartagena, das ist aber auch: Straßenverkäufer für Wasser, Straßenverkäufer für Limo, Straßenverkäufer für Hüte, für Sonnenbrillen, Armbänder, Taschen, Schmuck, Straßenverkäufer für Früchte, Straßenverkäufer für Zigarren und für Touren - und wenn man gerade einfach nichts davon kaufen will, dann ist der letzte Versuch einem Marihuana anzudrehen. Und ich bin mir sicher, wenn man Interesse zeigt, auch noch andere Drogen.

Cartagena, das sind 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dieser dünne Schweißfilm, den man Tag und Nacht auf der Haut trägt.
Und das ist auch bittere Armut, die man nicht übersehen kann, auch wenn die Straßen der Altstadt auto- und müllfrei sind und dich glauben lassen, Cartagena sei eben die schönste Stadt Kolumbiens.
Ihr hört: Ich bin zwiegespalten. Nein, ehrlich gesagt: Ich mag Cartagena nicht. Es ist mir zu touristisch, zu unecht, und zieht zu sehr all das Nervige an, was Touristenmassen eben mit sich bringen.
Wir besichtigten hochmotiviert die alte Festung San Felipe de Barajas. Aber die Nummer 1 Aktivität auf TripAdvisor war am Ende eben eine Festung wie jede andere Festungsanlage auch. In Carcassonne ist die alte Burg definitiv ein Muss. In Cartagena aber nicht!




Die ummauerte Altstadt besichtigten wir mit einer Free-Walking-Tour. Aber auch hier blieb vor allem das Gefühl hängen alles schon einmal so oder so ähnlich gesehen zu haben.










Wenn ihr euch die Bilder anschaut, könnt ihr wahrscheinlich kaum nachvollziehen, warum wir die Stadt nicht mögen.
Wir hatten eigentlich vor den ein oder anderen Ausflug auf die vorgelagerten Inseln Cartagenas zu machen. Traumhafte Karibikstrände versprechen Blogberichte und Tourenanbieter. Massentourismus auf Kolumbianisch, Schnorcheln im toten Korallenriff, nur Atmen ist noch kostenlos, grausam, Playa Basura (Müllstrand) fluchen die Erfahrungsberichte auf TripAdvisor. Wir fühlten uns nicht animiert uns mit eigenen Augen ein Bild davon machen zu müssen…
Am liebsten wollten wir direkt wieder weg. Aber unser Flieger nach Medellin ins Landesinnere würde erst in zwei Tagen gehen…
Liegt unsere Abneigung gegen Cartagena tatsächlich an der Stadt selbst? Wir scheinen nicht alles daran zu setzen, uns vom Gegenteil zu überzeugen. Sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir satt vom Reisen sind? Sich alles nur noch wiederholt? Ein Punkt, an dem jeder Strand nur Sand und Wasser ist? Jede Stadt ein Zeichen von Zivilisation? Jeder Dschungel eine Ansammlung von Bäumen? Jeder Sonnenauf- und untergang gleich aussieht?
Satt immer Gringo zu sein? Bzw. Amigo? Sehen wir wirklich so aus, als würden wir gefälschte Smaragde kaufen? Eine zweite Sonnenbrille brauchen? Drogen nehmen? Zwanzig mal täglich irgendwo essen gehen wollen?
Wir verbrachten die verbleibende Zeit damit wahlweise in unserem (ausnahmsweise) klimatisierten Hostelzimmer oder in einem der Cafés der Stadt unsere weitere Reise zu planen. Etwas mehr im Voraus, als wir das sonst tun.


Das Gute ist: Die Reiselethargie scheint nur ein vorübergehender Zustand gewesen zu sein. Wir freuen uns auf alles, was kommt, und sind optimistisch, dass ein paar richtig coole Sachen dabei sind! Unter anderem wechseln wir nochmal den Kontinent. ✈️ Mehr wird noch nicht verraten!
Medellín - wir kommen mit einer vollgepackten ToDo-Liste! Und freuen uns auf die erste warme Dusche seit zwei Wochen!


