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Busfahren auf Kolumbianisch: 34 km. 3 Stunden. Immer schön am Abhang entlang.

Wenn wir hier sterben, dann bist du Schuld, weil Du unbedingt nach Jardín wolltest.

Damit kann ich leben. Wenn wir beide tot sind, erfährt es ja niemand.

Warte, ich schreib noch schnell Kai ’ne Nachricht, dass das Deine Idee war.

Wir sitzen in unserem ersten von drei Bussen, um von dem kolumbianischen Vorzeigedörfchen Jardín nach Salento zu gelangen. 34 km und 3 Stunden Reisezeit sagt der Plan für den ersten Abschnitt der Strecke.

Als wir vor zwei Tagen im Bus von Medellín nach Jardín saßen, genossen wir die atemberaubende Strecke noch in vollen Zügen. Was wir nicht wussten: Der asphaltierte Teil der Straße endet direkt hinter Jardín und geht in einen Feldweg über, der sich 30 km entlang der Berghänge Richtung Riosucio schlängelt. Wir sitzen in einem Bus, der seine besten Jahre lange hinter sich hat. Vor allem seine Federn, die bei jedem Schlagloch knacken. Nach rechts blicken wir in die weiten grünen Täler. Nach rechts unten in steile Abhänge, die der Bus bei einer falschen Bewegung ungebremst herunter rollen würde.

Plötzlich bleibt der Bus stehen. Vor uns ein Erdrutsch. Neben uns ein steiler grasbewachsener Hang. Keine Leitplanke, keine Bäume, die einen möglichen Fall bremsen würden. Anschnallgurte gibt es nicht. Falls sie irgendwie geholfen hätten.

Der Busfahrer steigt aus und beäugt den Erdrutsch. Die anderen Fahrgäste rufen ¡Caminamos!: Lasst uns zu Fuß drumherum gehen. Der Busfahrer winkt ab. Seine Entscheidung steht: Sein Bus schafft das.

Da ich am Fenster sitze und als erstes beim seitlichen Umkippen aufschlagen würde, steht meine Strategie fest: Sobald das Fenster zerborsten ist, halte ich mich am ersten Busch fest und sehe dem Bus beim Fallen zu. Natürlich würde ich Jan mit der anderen Hand festhalten.

Der Busfahrer gibt Gas und heizt auf den Erdrutsch zu.??

Idyllische Busfahrt…
…den Abhang immer im Blick!
34 km Schotterpiste
Mit diesem Bus wäre es sicher noch spektakulärer geworden.

24 Stunden zuvor schlendern wir noch durch das von so vielen als schönstes Dorf Kolumbiens betitelte Jardín. Garten. Und was für Einer!

Inmitten von Kaffee- und Bananenplantagen gelegen, Anbaugebiet von Avocados, Physalis und Granadillas, Zuhause vieler exotischer Vogelarten. Bis vor wenigen Jahren von Touristen verschmäht, halten die Einwohner bis heute ihre schöne heile Welt in Ordnung: Die Fassaden sind farbenfroh gestrichen, von hölzernen Balkonen hängen bunte Blumen und nicht ein Schnipsel Müll ist auf den Straßen zu finden.

Jardín
Marktplatz von Jardín
8 Monate auf Reisen und das ist mein erstes Innen-Kirchenfoto!

Das charakteristischste Merkmal des Ortes ist wohl aber der Marktplatz, der rundherum von Cafés gesäumt ist, an deren Wänden sich bunte Stühlchen aneinander reihen. Hier trinkt man seinen Tinto, seinen schwarzen Kaffee, und lässt das gemächliche Leben des Ortes an sich vorbeiziehen. Als waschechter Jardínero genießt man seinen Kaffee mit Style und trägt einen Cowboyhut.

In Jardín passt man sich am besten dem Tempo des Dorfes an und tut: nicht viel. Dabei unterstützt einen das Dorf auch gerne, indem die einzigen beiden Attraktionen einfach mal geschlossen bleiben: Eine moderne Seilbahn, die zu einem Aussichtspunkt fährt, und die DiY-Seilbahn La Garrucha, die an einen umfunktionierten Holzschuppen erinnert.

Seilbahn, die leider nicht zum Mirador fuhr.
Rechts die Garrucha,…
…ein mobiler Gartenschuppen.

Also machen wir das, was alle Jardíneros machen: Platz nehmen und Kaffee trinken.

Aber so ganz konnten wir das dann mit unserem Gewissen doch nicht vereinbaren, vier Stunden im Bus gesessen zu haben, um schlussendlich nur einen Kaffee zu trinken. Wir spazierten ans Dorfende und trafen auf einen Weg, der so perfekt aussieht, dass man ihm einfach folgen muss.

Wer würde diesem Weg nicht folgen?

Nach dem immerhin zweistündigen Spaziergang und der Erkenntnis, dass meine Flipflops endgültig das Zeitliche segnen sollten, gingen wir erstmal wieder – wie man es in Jardín eben so macht – Kaffee trinken. Die beste Vorbereitung für unser nächstes Ziel: Salento in der Zona Cafetera – eines der größten Kaffeeanbaugebiete der Welt. ☕

Der Busfahrer fuhr also auf den Erdrutsch zu. Er kostete dabei den Pfad bis zum Äußersten aus. Die Reifenkante passte haargenau auf die Kante des Abhangs.

Und durch waren wir. Er kennt eben doch seinen Bus, seinen Waldweg und es war vermutlich nicht die erste dieser Situationen. Nicht der Rede wert.

Und hey, hat man etwa schonmal was von einem Busunglück zwischen Jardín und Riosucio gehört? Eben!

Aber es ist auch besser, wenn darüber nicht berichtet wird. Auf dem Rücktransport aus der Ciudad Perdida deutete unser Guide beiläufig auf eine Kurve, in die ein Jeep vor Kurzem zu schnell hineinfuhr und dabei über die Leitplanke preschte. Natürlich vollbesetzt. No, das will ich ehrlich gesagt gar nicht wissen.

3 Kommentare

  1. mmh, wie geht’s da wohl weiter… 😀 Da du mir nach wie vor whattsapps schreibst, gehe ich davon aus, dass es euch gut geht! 😉

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