Schließen

Die Westfjorde sind der letzte wilde Zufluchtsort Islands. Aus Zeitgründen lassen die meisten Touristen diesen Teil Islands auf ihrer Rundreise aus. Wir schöpften Hoffnung, dass wir hier unberührte Fleckchen und allem voran den ein oder anderen geheimen Hot Pot entdecken würden.

Tag 8 – Whale Watching aus dem Hot Pot

Oh, was war diese Nacht kalt. Als wir aufwachten war unser Außenzelt von einer dünnen Eisschicht bedeckt. Klarer Fall von sternenklarem Himmel – wirklich zu schade, dass ausgerechnet letzte Nacht die Aurora-Aktivität auf Null stand

Unter der Dusche der nächste Schock: Ich war nass, eingeseift und als ich mich abduschen wollte, gab’s kein Wasser mehr! Nicht überhaupt gar kein Wasser, sondern nur ein paar bescheidene Tropfen brühend heißes Thermalwasser. Irgendwer hatte die Kaltwasserzufuhr gekappt ohne nachzufragen, ob sich jemand in der Dusche befindet. Aber gut, dass der Zeltplatz eine 5-Sterne-Bewertung hatte und von vielen als bester Campingplätz ihrer Islandreise gelobt wurde. Die Messlatte kann nicht sonderlich hoch gelegen haben…

Was soll’s, denn auf die sternenklare Nacht folgte ein wolkenloser Morgen. Hab ich schon gesagt, dass Island bei Sonne einfach umwerfend ist? ❤️

An diesem Tag ging es für uns in die Westfjorde. Diesen Zipfel lassen die meisten Islandreisenden aus. Tatsächlich ist es auch nicht mit einem kurzen Abstecher getan, sondern man fährt entlang der Küstenstraße wirklich jeden Fjord lang und bringt fast nochmal genauso viele Kilometer auf den Tacho, wie auf der ganzen Ringstraße. Und wenn man sich das Größenverhältnis mal anschaut, ist das schon wirklich erstaunlich!

Auf dem Weg statteten wir der Torfkirche Víðimýrarkirkja und der Schlucht Kolugljúfur einen Besuch ab.

Torfkirche Víðimýrarkirkja

In die Schlucht Kolugljúfur stürzt ein (für isländische Verhältnisse bescheidener) Wasserfall – und wer die letzten Beiträge aufgepasst hat, weiß dass jetzt mein Herz anfing höher zu schlagen. Denn bei blauem Himmel am Wasserfall stehen die Chancen auf einen Regenbogen sehr gut. Blickt man auf den Wasserfall sah man an diesem Morgen jedoch der Sonne ins Gesicht. Ja, so kann das natürlich nichts werden! Also kraxelte ich einmal hinter den Wasserfall und – halleluja – da war endlich wieder ein Regenbogen! Hach, es ist aber auch zu schön!

Wasserfall der Schlucht Kolugljúfur – von vorne
Felsschlucht? Da muss ich runter!
Jan bleibt lieber oben…
Ich hab den Regenbogen gefunden!!!

Nun ging es aber wirklich ins unbekannte Terrain der Westfjorde. Diese Straßen direkt am Meer entlang – einfach ein Traum.

Die Straßen der Westfjorde – ein Traum

Wir fuhren so vor uns hin, als ich plötzlich eine Wasserfontäne aus dem Meer empor sprühen sah. Was war das??? Jan bremste, Rückwärtsgang rein, Blick aufs Wasser gerichtet. Da schon wieder! Da schwamm tatsächlich ein Minkwal in Ufernähe! Wie toll!!! Was für ein Glücksfall!

Ich sprang raus aus dem Auto um noch näher ans Ufer zu kommen. Für ein wirklich überzeugendes Foto hat es nicht gereicht – ich will ja so ein Schauspiel auch mit eigenen Augen sehen und habe festgestellt, wenn ich meine Kamera einfach draufhalte, verschätze ich mich doch sehr, was wirklich auf dem Bild zu sehen ist.

Könnte vieles sein – ist aber ein Minkwal

Auch wenn man natürlich bei einer Whale Watching Tour die Wale aus nächster Nähe viel besser sieht, so hat es doch etwas nahezu Magisches so ein Tier selbst zu entdecken. Es ist etwas Besonderes, Wildes, Echtes. Und die Sichtung machte mich unbeschreiblich glücklich.

Wir fuhren an die andere Seite des Fjords zum Hot Pot in Drangsnes. Genauer gesagt zu den drei Hot Pots, die sich in verschiedenen Wassertemperaturen am Ufer entlang reihen. Herrlich! Wir waren hier nicht ganz allein, aber wirklich voll war es auch nicht. Und diejenigen, die vor uns dort waren, hatten auch tatsächlich einen Wal aus dem Pool heraus beobachtet. Dieses Glück war uns nicht mehr beschert – aber wir können uns wohl auch kaum beschweren!

Kommt noch ein Minkwal vorbei geschwommen?
Hot Pot-Liebe

Nach einem ausgiebigen heißen Bad, bei dem wir uns an diesem Tag fast einen Sonnenbrand holten, ging es weiter entlang der vielen Fjorde – ganze 230 km, denn wie gesagt: Hier nimmt man wirklich jeden Fjord mit. Glücklicherweise ist auf Island der Weg das Ziel, denn es gibt auf jeder noch so verlassenen Straße etwas zu entdecken. Und sei es nur die einsame Straße selbst.

Ich liebe Islands einsame Straßen…
Verkehrsregel Nr. 1: Tiere haben immer Vorfahrt.

Uns liefen an diesem Nachmittag einige Torfhäuser vor die Linse: Ein verlassenes namenloses Häuschen; eines, das für das Trocknen von Fisch genutzt wird; und eines, das als Museum dient.

Torfhaus im Nirgendwo
Torfhaus im Irgendwo
Ich hab mal einen Blick ins Innere gewagt…
Torf-Museum Litlibær
…hatte aber leider schon geschlossen.

Nachdem wir die letzte Nacht bei Minusgraden in unseren Schlafsäcken gefroren hatten, buchten wir uns spontan in eine Pension in Ísafjörður ein – mit 2.500 die Hauptstadt der Westfjorde. Auch wenn es ganz und gar nicht danach aussah, als würde es wieder eine kalte Nacht werden. Aber manchmal braucht man eben einen guten Grund, um sich etwas Komfort zu gönnen.

Außerdem wollten wir dieser Nacht eine weitere Chance geben uns mit Nordlichtern zu beglücken. Nach der Pleite am Vorabend, an dem die Aurora-Aktivität plötzlich von 7 auf 0 sank, war unser Vertrauen in die Wettervorhersage ganz schön gesunken. Aber ich wollte meinem Gewissen auch keinen Anlass geben mir vorzuwerfen, ich hätte es nicht versucht.

Also fuhren wir mit Einbruch der Dunkelheit nochmal los. Generell scheint der Isländer gerne zu zeigen, dass er seinen gesamten Energiehaushalt aus erneuerbaren Energien gewinnt. Selbst der kleinste Ort ist nachts hell erleuchtet. Ísafjörður ist da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Der komplette Küstenabschnitt zwischen Ísafjörður und dem nächsten Ort Bolungarvìk ist mit Straßenlaternen beleuchtet! 17 km.

Auf der Suche nach Dunkelheit fuhren wir diese 17km hin und – weil wir keine nicht beleuchteten Ecken fanden – direkt wieder zurück. Wir versuchten es in die andere Richtung nochmal und parkten das Auto in einer einsamen Bucht. Nun hieß es warten, ob sich die Nordlichter irgendwann zeigen. Nicht umsonst gibt es in den nobleren Hotels einen Nordlichter-Weckruf-Service., damit man sich nicht die Nacht um die Ohren schlagen muss. Das wird auf Dauer tatsächlich anstrengend…

Das Problem war: Am Himmel sah man nichtmal die Sterne. Nicht einen einzigen. Wir gaben irgendwann die Hoffnung auf, dass sich die Wolkendecke verziehen würde. Mal wieder eine Fehlinformation des Wettervorhersagedienstes…

Tag 9 – Auf der Suche nach geheimen Hot Pots

Die Westfjorde haben es mir irgendwie angetan. Ok, ganz Island hat es mir angetan. Aber die Westfjorde ganz besonders. Hier hast Du das Gefühl, dass Island irgendwie noch unentdeckt ist – dass Du vielleicht sogar der erste bist, der das ein oder andere Fleckchen betritt. Das ist natürlich eine Illusion, aber eine schöne.

Nur wir und die Schafe allein auf der Welt…

Torfhäuser hatten wir ja nun eigentlich genug gesehen. Aber den alten Torfbauernhof Hrafnseyri nahmen wir auf dem Weg zum Wasserfall Dynjandi noch mit.

Torfbauernhof Hrafnseyri

Während wir zum Wasserfall Dynjandi fuhren entdeckten wir diese Robbe im Wasser. Dass es eine Robbe war, war jetzt natürlich nichts Besonderes, aber als wir sie erspähten, verspeiste sie gerade genüsslich einen dicken, frisch gefangenen Fisch. Das war schon ziemlich spektakulär anzusehen! Leider hatte sie den Fisch gerade heruntergeschlungen, als ich mit meiner Kamera bei ihr war…

Der Wasserfall Dynjandi ist übrigens so ziemlich die einzige Sehenswürdigkeit in den Westfjorden, die auch Reisebusse ansteuern. Er ist tatsächlich auch ein ganz besonders schönes Exemplar von Wasserfall!

Wasserfall Dynjandi

Unsere eigentliche Mission für den Tag lautete aber: Geheime Hot Pots aufspüren! Denn während Wasserfälle und Torfhäuser irgendwann ihren Reiz verlieren, kann das bei Hot Pots nicht passieren! Dafür ging es nochmal so richtig ins Hinterland. Also genau genommen ins Hinterland des Hinterlands.

Westfjorde – da wo nichts mehr ist und niemand mehr lebt.

Direkt an der Landstraße liegt der Hot Pot Reykjafjardalaug. Der Reykjafjardalaug ist – wie viele Hot Pots – ein künstlich angelegtes Becken, das aus einer natürlichen Quelle mit Thermalwasser befüllt wird. Für einen Hot Pot ist er ziemlich groß – und lenkt damit klug von den zwei natürlichen Hot Pot-Becken ab, die direkt hinter ihm liegen.

Hauptbecken des Hot Pots Reykjafjardalaug
Zwei versteckte natürliche Hotpots am Reykjafjardalaug
Weiter ging’s – zum Beispiel an diesem hübschen Schuppen vorbei.

Wir sparten uns ein Bad im Reykjafjardalaug und fuhren stattdessen weiter zum Hot Pot Pollurinn. Diesen findet man wirklich nur, wenn man weiß, wo er ist. Im Zweifel nicht einmal dann. Drei kleine handgeschaffene Becken liegen erhoben über dem Fjord. Hach, ob hier wohl manchmal ein Wal vorbei schwimmt?

Hot Pots von Pollurinn
Hier ist man mit etwas Glück ganz für sich allein.

Das Schöne an diesem Hot Pot ist, wie auch zum Beispiel bei dem von Drangsnes, dass es eine Umkleide und Dusche direkt nebenan gibt! Welch Luxus!

Auf dem Weg zum dritten und letzten Hot Pot für den Tag kamen wir noch an dem Schiffswrack Skápadalur vorbei.

Schiffswrack Skápadalur

Ein Hot Pot wie er im Bilderbuch steht ist Hellulaug. Er ist leicht erreichbar und liegt dennoch von einer Felswand geschützt unterhalb der Straße mit direktem Blick aufs Meer. Und es ist ein natürlicher und kein künstlich angelegter Pool. (K)Ein Traum! ❤️

Bilderbuch-Hot Pot Hellulaug

Tag 10 – in Island ist nicht immer Sonnenschein

Nachdem wir die letzten zehn Tage bereits über 3.000 km auf den Tacho unseres Mietwagen gebracht hatten, war Jan nicht so begeistert NOCH eine Landzunge zu umrunden. Die sehen auf der Karte halt auch immer irgendwie kleiner aus, als sie dann in der Realität sind. Aber die Snæfellsnes Halbinsel wollte ich unbedingt noch sehen, schließlich liegt auf ihr der malerische Berg Kirkjufell, vor dem sich der Wasserfall Kirkjufellfoss ergießt. Wenn ihr den Berg mal googelt, dann habt ihr sicherlich ein Déjà Vu, denn das Motiv ist der Inbegriff landschaftlicher Schönheit Islands.

Ja, ich würde Euch hier gerne selber ein Bild des Berges zeigen, aber leider wurde für diesen Tag eine Sturmwarnung für die Snæfellsnes Halbinsel ausgesprochen. Nicht, dass uns das abgehalten hätte trotzdem dorthin zu fahren. Aber unser einziges Erinnerungsstück an den Snæfellsnes-Besuch war ein rundum dreckverziertes Auto…

Jan bei der Autowäsche…
…ich derweil…

Als wir die Halbinsel verließen beruhigte sich das Wetter merklich und wir schauten uns noch den Hot Pot Landbrotalaug, den Wasserfall Hraunfossar und den Vulkan Grábrók an.

#islandliebe
Wasserfälle Hraunfossar
Aufstieg zum Vulkan Grábrók
Vulkan Grábrók

Tag 11 – Endstation Reykjavik

Hatten wir uns noch vor zwei Tagen von jeder schönen Aussicht verzaubern lassen, merkten wir an diesem Tag, dass uns die 50 Sehenswürdigkeiten und 3500 km der letzten Tage in den Knochen steckten. Unsere Köpfe und Herzen waren voll von Isländischer Naturgewalt – jetzt wollten wir nur noch Softeis und Hotdogs essen.

Und das machten wir auch in Reykjavik.

Hallgrímskirkja in Reykjavik

Klar, Reykjavik ist nicht Paris oder Rom – sicherlich hat es aber einige sehenswerte Ecken zu bieten. Irgendwie fühlte es sich jedoch genau richtig an, den letzten Tag unserer Reise vor uns hin plätschern zu lassen.

Dies war der richtige Zeitpunkt, um nach Hause zurückzukehren. Nichts stand mehr auf der ToDo-Liste. Wir haben magisch leuchtende Eisschollen bewundert. In einsamen badewannenwarmen Hot Pots mit Blick aufs Meer gebadet. Einen Geysir ausbrechen sehen. Wasserfälle, aus denen Regenbogen entsprangen, ließen uns den Atem anhalten. Ein Minkwal beschloss, direkt vor uns im Meer zu baden, und eine Robbe hat vor unseren Augen einen frisch gefangenen Fisch verschlungen.

Aus Fernweh war Heimweh geworden.

Freizeitkamele in Reykjavik

Lass uns einen Kommentar da