Nach sechs Monaten auf Achse, alle paar Tage an einem neuen Ort, in einem neuen Bett und vor der immer wieder neuen Herausforderung das Beste aus der begrenzten Zeit herauszuholen, nehmen wir uns nun in Guatemala eine Auszeit von der Auszeit.
Für den Mai haben wir uns am Lake Atitlan ein Häuschen gemietet. Ganz faul sein wollen wir aber nicht: Fünf Tage die Woche vier Stunden täglich werden wir an der Sprachschule Jabel Tinamit Spanisch lernen.

Die Hoffnung darauf, dass wir überhaupt irgendwann in Guatemala ankommen werden, hatten wir jedoch zwischenzeitlich fast schon aufgegeben.
Es fing damit an, dass Jan während der Busfahrt von Puerto Escondido nach San Cristóbal de las Casas von einem Skorpion gestochen wurde und wir Hals über Kopf den Bus Richtung Krankenhaus verlassen mussten. ‘Glücklicherweise’ sind Skorpionstiche in dieser Gegend an der Tagesordnung, so dass sie sofort das passende Antiserum parat hatten…
Die Weiterreise am kommenden Tag war einfach nur zermürbend. Es hätte einen Bus gegeben, der tagsüber zumindest in die Nähe von San Cristóbal fuhr. Leider war dieser ausgebucht. Nicht dass wir bisher ein einziges Mal einen ausgebuchten Bus in Mexiko erlebt hätten.
Vier Busfahrten und 20 Stunden später (die Details dieser miserablen Reise erspare ich euch) kamen wir schließlich in San Cristóbal an. Die letzten 70 km haben wir extra ein Taxi genommen, um nichts dem Zufall zu überlassen und unseren 6-Uhr-Shuttle nach Guatemala nicht zu verpassen. Nur dass der Shuttle einfach nicht kam! Wie viel Pech kann man eigentlich haben?!?
Vor allem, es gibt so Momente, da möchte ich am liebsten den nächsten Flieger nach Europa buchen. Oder in die USA. Oder nach Australien. Ich hatte eine “Notfallnummer” für den Shuttle vom dem Typen, dem das Unternehmen gehört (aus Guatemala). Als ich ihm schrieb, dass der Shuttle noch nicht da sei, sagte er mir allen Ernstes, dass das ja auch kein Wunder sei. In Guatemala sei es schließlich eine Stunde früher.
Im Ernst?!? Wollte er mir wirklich verkaufen, dass sie ihren Kunden die guatemalische Zeit nennen, zu der sie in Mexiko abgeholt werden?!?
Da der Shuttle drei Stunden später immer noch nicht da war, gaben wir das Warten auf. Das übersteigt selbst die lateinamerikanische Toleranzgrenze.
Unser neuer Versuch am nächsten Morgen klappte dann glücklicherweise. Zwar nicht pünktlich, aber hey - einem dritten Versuch hätten wir vermutlich keine Chance gegeben…
Nach weiteren zwölf Stunden on the road kamen wir endlich, nach insgesamt 3 Tagen Reisezeit, in Panajachel an. Ich hätte vor Glück weinen können, als wir unser neues Zuhause betraten. Es ist schöner als ich mir je zu erträumen gewagt hätte… ❤️?




Unsere Sprachschule bestätigte ebenfalls auf den ersten Blick alle Hoffnungen, die uns ihre guten Bewertungen gemacht haben. Jeder hat eine Lehrerin für sich und wir sitzen auf einer offenen Terrasse, so dass man nicht stundenlang in einem Klassenzimmer eingesperrt ist.
Insbesondere Jan hat logischerweise der Kopf nach seiner ersten Spanischstunde geraucht. Ich bin gespannt. Vier Stunden täglich ist eine Menge Stoff! Aber zugegebenermaßen ist es wohl nötig, denn von selbst hat sich mein Spanisch während der letzten acht Wochen in Mexiko kaum verbessert…


Und um zumindest mein Glück perfekt zu machen gehe ich an drei Vormittagen zum Yoga in einer Kunstakademie.



Leider mussten wir feststellen, dass Guatemala - oder zumindest die Gegend um den Lake Atitlan - nicht so günstig ist, wie es sämtliche Blogs bisher angepriesen haben. Wir hatten die ganze Zeit die Erwartung, dass Guatemala noch günstiger sei als Mexiko. Bislang können wir das jedoch nicht bestätigen!
Während man zwar Obst und Gemüse unglaublich günstig auf dem Markt einkaufen kann, ist alles, was sonst zu einem westlichen Lebensstil dazugehört, richtig teuer. Dazu gehören leider auch Basics wie Cerealien, Joghurt, Milch… Wenn man die Sachen, die man kaufen will, überhaupt findet…


Spannend wird, wie sich die Regenzeit hier entwickelt. Vormittags war es bisher immer schön und so soll es auch die ganze Regenzeit über sein. Am Nachmittag regnet es dann. Daher haben wir unseren Spanischunterricht auch auf den Nachmittag gelegt. Aber wie stark, wie oft und wie lange müssen wir uns wohl überraschen lassen…
Bislang regnete es jeden zweiten Tag. Hoffentlich ändert sich das nicht zu einer täglichen Frequenz. Denn wenn es regnet, dann verwandeln sich die Straßen in Flüsse. Auf meinen Fotos hatte es gerade mal anfangen zu regnen. Da Panajachel wie alle Orte rund um den See an einem Hang liegt und die Abwasserkanäle gar nichts aufnehmen (falls sie existieren?), fließt das ganze Regenwasser die Straßen herunter und das mehr als knöcheltief…



