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Alltag auf Reisen: Leben in Panajachel

Unsere Zeit in Panajachel verfliegt wie im Nu. Seit 2,5 Wochen wohnen wir bereits in dem Ort am Lago de Atitlán in Guatemala. In einer Woche heißt es für uns schon wieder die Zelte abzubrechen.

Inzwischen hat sich so etwas wie Alltag bei uns eingeschlichen. Morgens nach meinem Yogakurs oder vor unserem Sprachkurs geht es erstmal auf Panajachels Markt, um unsere tägliche Portion Vitamine zu erwerben. ??????

Ich kann mich gar nicht sattsehen am frischen Obst, Gemüse und den Kräutern. Es ist der Himmel auf Erden meine Lieblingsfrüchte Mangos und Avocados zum Spottpreis kaufen zu können. Aber toll ist auch den ganzen unbekannten Obst- und Gemüsesorten eine Chance zu geben wie Güisquil (ohne Übersetzung; grüne Kartoffel?), Zapote (Breiapfel) und Tamarillo (Baumtomate). Auch wenn sich die Marktfrauen manchmal über meine Fragen belustigen: Wie heißt diese Frucht? Muss ich sie kochen? ?

Markt in Panajachel
Frauen aus den Bergdörfern verkaufen oftmals nur wenige Produkte​, am häufigsten Avocados
Vorne Mitte: Zapotes bzw. Breiäpfel
Immer ein frisch gefüllter Obstkorb ist unserer Küche
Morning-Workout: frisch gepresster O-Saft
Mein neues Lieblingsfrühstück: Porridge mit Mango und Erdbeeren

Nachdem wir vormittags in der Regel unsere Hausaufgaben machen (es ändert sich eben nichts ?), geht es für vier Nachmittagsstunden in unsere Spanisch-Sprachschule Jabel Tinamit.

Jan wird von Celestina unterrichtet.

Wir lernen dort nicht nur Spanisch sondern auch jede Menge über das guatemaltekische Leben. Während in Mexiko etwa 10 Prozent der Bevölkerung indigen sind (Maya und Nachfahren der Azteken), sind es in Guatemala 50 Prozent (Maya). Zumindest hier in Panajachel kommt es mir sogar noch mehr vor. Die Maya pflegen ihre Bräuche – unter anderem tragen sie größtenteils die traditionelle bunte Kleidung. Gleichzeitig ist die Mehrheit sehr arm und hat es viel schwerer als die Guatemalteken europäischer (meist spanischer) Abstammung (Ladinos). Zum Beispiel werden in Panajachel fast alle Hotels, Hostels, Restaurants, Cafés und Reiseagenturen von Ladinos oder Expats geführt. Die Mayas profitieren nur soweit vom Tourismus, dass sie als Angestellte arbeiten oder ihre Waren am Straßenrand verkaufen.

Die Guatemalteken verkaufen ihre Textilien am Straßenrand…
… oder an einem der vielen Stände, die die Calle Santander säumen.

Meine Lehrerin Florinda erzählte mir, dass die Frauen nach der Hochzeit bei der Familie ihres Ehemannes einziehen und mehr oder weniger von den Schwiegereltern wie ein Haussklave behandelt werden. Viele Mädchen sind zu diesem Zeitpunkt gerade mal 15, 16, 17 Jahre alt. Ihr Tag beginnt zwischen vier bis fünf Uhr morgens um Unmengen von Tortillas zu backen um die Großfamilie sattzubekommen. Pro Person werden allein zum Frühstück zehn bis fünfzehn Tortillas verdrückt! Den ganzen Tag schmeißt die Frau die Aufgaben im Haushalt und selbst wenn sie ihre eigenen Eltern besuchen will, braucht sie dafür die Genehmigung von ihren Schwiegereltern.

Meine Lehrerin Florinda hat bis vor vier Jahren in solchen Verhältnissen gewohnt, bis sie ihren Mann dazu bewegen konnte ein eigenes Haus für ihre Familie zu bauen.

Viele Männer haben hier ein Alkoholproblem. Für sie ist es normal sich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken und dann einfach am Wegesrand ihren Rausch auszuschlafen. Das gehört hier tagsüber zum Straßenbild dazu.

Unterricht mit meiner Lehrerin Florinda im Schulgarten

Unsere Sprachschule Jabel Tinamit gilt als eine der besten am Lago de Atitlán und wird von einem Maya-Paar geführt. Obwohl der Unterricht bereits günstig ist, fließt ein Teil des Geldes in eine ganze Reihe sozialer Projekte, für die sich die Sprachschule engagiert. ?

Wir haben uns in Panajachel jedenfalls gut eingelebt. Mit unserem Spanisch geht es wirklich gut voran! Auch wenn ich gefühlt täglich eine neue Zeitform lerne und gerade an einem Punkt bin, an dem mein Kopf alle durcheinanderwirft.

Bis auf einen 9€-für-ein-Glas-Nutella-Ausreißer haben wir uns an die verfügbare Auswahl lokaler Lebensmittel gewöhnt und ernähren uns brav vor allem von Obst und viel Gemüse. ? Den Tortillas konnten wir hier bisher nichts abgewinnen. Irgendwie haben die in Mexiko besser geschmeckt. ?

Und auch dem Regen sind wir bis auf den ersten anfänglichen Patzer, bei dem wir durch die reißenden Flussstraßen gewatet sind, ganz gut aus dem Weg gegangen. Meistens setzt der Regen gegen sieben Uhr abends ein, so dass wir ihm von unserer trockenen Stube aus lauschen können.

Zusätzlich zum regelmäßigen Yoga und Spanisch habe ich mich hier noch im Malen ausprobiert. In der Galeria bietet eine Künstlerin einmal die Woche drei Stunden Malunterricht an. Und was soll ich sagen: Es hat wirklich Spaß gemacht und ich bin überrascht, dass ich dank ihrer Tipps ein sehenswertes Bild hinbekommen habe. ? Umso besser, dass ich in unserer letzten Woche noch ein zweites Mal hingehen kann.

Malkurs in der Galeria
Tadaaaa!