Schließen

Wanderung auf Costa Ricas höchsten Berg Cerro Chirripó

Das Cloudbridge Naturreservat, in dem wir die letzten zwei Wochen Freiwilligenarbeit leisteten, liegt direkt neben dem Chirripó Nationalpark – dem Zuhause Costa Ricas höchstem Berg, dem Cerro Chirripó. Von seinem Gipfel soll man an klaren Tagen die Pazifik- und die Karibikküste sehen können. Für mich war klar: Da will ich hinaufwandern!

Überraschenderweise war ich mit diesem Wunsch nicht allein und vier weitere Volunteers schlossen sich der Besteigung an. Da beginnt jedoch auch schon die Herausforderung: Der Chirripó Nationalpark ist auf 60 Besucher täglich begrenzt und die Zulassungen mitunter Monate im Voraus vergriffen. Ein oder zwei freie Plätze gibt es immer mal wieder, aber fünf? Somit mussten wir die Wanderung werktags unternehmen und nicht wie geplant am Wochenende, um die Arbeit bei Cloudbridge nicht darunter leiden zu lassen. Jan entschied sich pflichtbewusst im Naturreservat die Stellung zu halten. ?

Der Registrierungsprozess wurde uns von Cloudbridge-Manager Frank als überaus kompliziert beschrieben, so dass die meisten eine Agentur oder ein Hotel mit der Bürokratie beauftragen. Der Prozess stellte sich dann aber als wesentlich simpler heraus als erwartet. Nur dass man am Vortag die Zulassungspapiere persönlich im Dorf abholen muss, hätte nicht sein müssen. Dies jedoch vor allem, weil das ins Dorf runterlaufen (und vor allem das wieder hochlaufen!) von Cloudbridge aus etwas mühselig ist. Aber da kann ja der Genehmigungsprozess nichts dafür, dass wir so weit ab vom Schuss wohnen.

Am Donnerstag um 5 Uhr morgens wollten wir den 1800 Höhenmeter Aufstieg zur Hütte, die auf 3300 m liegt, beginnen. Aber genauso sicher wie das Amen in der Kirche ist auch, dass einige nicht ihre Stärke in Pünktlichkeit und Zeitmanagement haben… Um 5:45 Uhr ging es dann endlich los – und leider aber ganz und gar nicht in dem Tempo, das ich mir für die Wanderung vorgestellt hatte… ?

Auf Wanderung mit Alice, Laura, Camila und Augie.
Grenze zwischen Cloudbridge und Chirripó National Park

Mein Versuch das Tempo etwas anzuheben, indem ich mit gutem Beispiel voranschritt, scheiterte kläglich. ??? Anfangs sahen wir noch das ein oder andere Wandergrüppchen, aber schon bald waren wir allein auf weiter Flur. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei unter 2 km/h! ?

Gekochte Eier: Der Wandersnack schlechthin.

Unser langsames Tempo war jedoch nicht nur mangelnder Fitness geschuldet, sondern vor allem der Tatsache mit Biologen unterwegs zu sein. Wer hätte aber auch gedacht, dass jeder Vogel interessant ist?! Ich kann es ja bei Kolibris oder bunt gefiederten Vögeln verstehen, aber wenn sie einfach nur schwarz oder braun sind?!?

Kolibri – Interessantheitsskala 10/10
Vogel mit gelbem Bauch – Interessantheitsskala 5/10
Schwarzer Vogel – Interessantheitsskala 0/10

Aber zugegeben hätte ich bei meinem bevorzugten Wandertempo auch all diese schönen Eidechsen übersehen. ?

Nach über neun Stunden wandern (für eine Strecke, für die im Schnitt sechs Stunden veranschlagt werden), kamen wir dann doch noch als letzte Gruppe an der Hütte an. Und was für ein Schiff die Hütte ist! Mit 52 Betten, die sich ausschließlich auf 4er-Zimmer verteilen, ist sie einfach mal riesig!

Endlich: die Hütte in Sicht!

Endlich Zeit die Füße hochzulegen und vor allem früh ins Bett zu gehen, denn unser Plan war den Sonnenaufgang vom Gipfel aus zu genießen. Da dieser aber noch ganze 5 km von der Hütte entfernt liegt und die Sonne hier um ungnädige 5:10 Uhr aufgeht, hieß das: Los geht’s um 2:30 Uhr. ??? Bzw. da wir ja augenscheinlich nicht zu den Schnellsten zählten, war unser Plan schon um 2:15 Uhr loszukommen. Aber über das Thema Pünktlichkeit habe ich ja schon meine Worte verloren…

Leider konnte ich überhaupt gar nicht, keine einzige Minute, wirklich null schlafen. Ohne speziellen Grund. ? So bekam ich auch mit, wie es die ganze Nacht durch immer wieder regnete. Auch um 2 Uhr als unsere Wecker klingelten. Auch um 2:30 Uhr als wir loswanderten. Um 3:30 Uhr als der Aufstieg steiler wurde. Und erst recht um 4:30 Uhr für den letzten Part, den man den Berg regelrecht hochklettert. Achso: Richtig windig war es übrigens auch. Und richtig kalt. Und der liebe Wind hat mir meine doppelte Lage an Ponchos um die Ohren geweht, so dass sie zu meinem Regenschutz auch nicht mehr beigetragen haben. ?

Da geht’s lang…

Aber immerhin: Pünktlich zum Sonnenaufgang standen wir auf dem Gipfel. Nur der Sonnenaufgang war irgendwie nicht pünktlich da. Er kam genau genommen gar nicht. Stattdessen blickten wir in eine graue Nebelfront. Ich würde mal behaupten: Schlechter kann man es nicht treffen… Außer uns waren übrigens noch etwa vier andere Leute so optimistisch den Aufstieg trotz Regen zu unternehmen…

Schnell ein Foto auf dem Gipfel…
… und so schnell es geht wieder zurück.

Völlig durchgefroren lief ich so schnell ich konnte zurück zur Hütte. Das war einfach nicht der richtige Zeitpunkt mich an das allgemeine Gruppentempo anzupassen. ? An der Hütte angekommen, in trockenen Klamotten mit einem Kaffee und einen Stück Kuchen zum Frühstück ging es mir schon gleich viel besser. ?

Geschafft!!!

Den Rückweg von der Hütte zurück zu Cloudbridge versuchte ich ebenso schnell hinter mich zu bringen. Denselben Weg zu wandern, den man schon vom Hinweg kennt, ist einfach zu langweilig. Dass ich keine Pause gemacht habe, habe ich jedoch am nächsten Tag mit dicken Knöcheln bezahlt… ?

Wenigstens gab es abends als Abschiedsessen noch einen ordentlichen Burger. ? Nur dass Jan sich als einziger den Chirripó Burger bestellt hat, den man sich eigentlich nur durch den Aufstieg auf den gleichnamigen Berg verdient hat. ?

Die Cloudbridge-Crew

Und so sind unsere zwei Wochen Volunteering auch schon vorbei. Ein kleines Fazit: Ich habe mir mehr davon versprochen. Ich wollte Freiwilligenarbeit unbedingt ausprobieren und konnte mir vorstellen, das öfter während unserer Reise zu machen. Cloudbridge ist ein wunderschön angelegtes Naturreservat mit vielen interessanten Tieren. Zudem ist die Anlage, in der wir wohnten, nahezu paradiesisch. Etwas viel Regen, aber das gehört nunmal zum Nebelwald dazu.

Aber ich hatte das Gefühl, dass wir nicht wirklich etwas Bedeutungsvolles oder für das Reservat Notwendiges taten. Die Aufforstung ist mehr oder weniger abgeschlossen; nun wird etwas Forschung betrieben und ab und an ist eine Schulklasse oder Studentengruppe zu Besuch. Aber insgesamt wirkt es ziemlich ambitionslos und schöpft das Potenzial des Naturreservats kaum aus. Zudem fehlt ein Volunteering-Konzept. Schließlich opfert kein Freiwilliger seine Zeit aus Langeweile, sondern um etwas Wertschöpfendes beizutragen oder etwas dazuzulernen.

Darüber hinaus fiel es mir schwer meine in den letzten Monaten gewonnene Freiheit über meine Tagesgestaltung aufzugeben und jeden Tag um 7 Uhr parat zu stehen. Damit meine ich nicht, dass es körperlich schwer war früh aufzustehen, sondern vielmehr mental die Gestaltung meines Tagesablaufs aufzugeben für etwas, dessen Mehrwert ich nicht erkannte.

Ich will nicht ausschließen, dass wir während unserer Reise nochmal Freiwilligenarbeit leisten. Aber das nächste Mal würden wir uns nicht von vorneherein auf zwei Wochen festlegen.

Von Cloudbridge aus fuhren wir gemeinsam mit Alice, deren Volunteering-Zeit gleichzeitig zu unserer zu Ende ging, an die Pazifikküste Costa Ricas in den kleinen Surferort Dominical. Der Ort besteht im Grunde genommen aus einer von Hostels, Cafés und Surfschulen gesäumten Straße, die am Strand entlang läuft. Auch Camila war direkt vom Chirripó-Aufstieg dorthin gefahren. Eigentlich liebäugelte ich damit nochmal Surfstunden zu nehmen, aber schlussendlich war ich doch zu träge. Und so verbrachten wir ein faules Wochenende dort, indem wir uns von Beachbar zu Beachbar schlemmten.

Hauptstraße von Dominical
Relaxen mit Alice und Camila

Inzwischen sind wir schon wieder einen Ort weitergefahren nach Quepos bzw. zum Nationalpark Manuel Antonio. Hoffentlich sehen wir morgen endlich Faultiere! ? Wo ist das Faultier-Emoji?!?