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Freiwilligenarbeit im Nebelwald Costa Ricas

Ich habe mir ja tatsächlich eine Bucketlist für unsere Reise angelegt, um mir immer wieder ins Bewusstsein zu holen, was ich alles erleben will. Zu meiner eigenen Überraschung haben wir die meisten Punkte auf der Liste bereits abgehakt: eine Langstreckenwanderung machenFlamingos sehenSurfstunden nehmenrichtig Spanisch lerneneinen Vulkan ausbrechen sehen… und ganz oben auf der Liste steht auch: Volunteering. Und genau dafür ist nun zwei Wochen in Costa Rica die Zeit reif!

Für unsere Freiwilligenarbeit haben wir uns das Cloudbridge Nature Reserve in einem Costa Ricas Nebelwälder ausgesucht. Nebelwald? Das ist quasi ein Regenwald, nur in höherer Lage. Wir befinden uns hier auf etwa 1700 m und das Naturreservat erstreckt sich auf bis zu 2600 m Höhe.

Unverkennbar: Nebelwald

Das Cloudbridge-Projekt wurde 2002 ins Leben gerufen, um fast 300 Hektar Land aufzuforsten, das durch Rinderzucht und Landwirtschaft kaum noch ursprüngliche Vegetation besaß – und damit natürlich auch keine wild lebenden Tiere. Bis 2012 lag der Schwerpunkt der Arbeit in der Wiederbepflanzung des Areals. Seitdem die Vegetation wächst und gedeiht, konzentriert sich die Arbeit hier auf die Erhaltung des Naturreservats, sowie auf Forschung und Bildung.

Das Gemeinschaftshaus – Zentrum des Cloudbridge-Lebens
Unsere Unterkunft

Non-Profit-Projekte, die Freiwillige suchen, gibt es wie Sand am Meer. Somit hat man eher die Qual der Wahl, bei welchem Projekt man mitwirken möchte, als nicht fündig zu werden. Auf den zweiten Blick sind viele Projekte jedoch mit der ein oder anderen Tücke verbunden: Umständliche Bewerbungsverfahren, lange Mindestaufenthaltsdauer, hohe Teilnahmegebühren (ja, man zahlt dafür umsonst zu arbeiten!), um nur einige zu nennen. Deswegen war es wohl schlichtweg Glück, dass das erste Projekt, das uns in Costa Rica unter die Finger kam, Cloudbridge war!

Kurz das Formular ausgefüllt und schon hatten wir in weniger als 24 Stunden eine Antwort, dass unsere Mithilfe herzlich willkommen sei. Fünf Tage später standen wir auf der Matte. ?

Wobei das „standen wir auf der Matte“ eher ein Reisen durch Zentralamerika für Fortgeschrittene war. Zum Glück bekamen wir eine idiotensichere Bedienungsanleitung für die Anreise an die Hand. Denn die ging so:

– Vom Flughafen in San Jose nehmt ihr den Bus ins Stadtzentrum.

– Vom Busbahnhof A im Stadtzentrum nehmt ihr ein Taxi zu Busbahnhof B außerhalb des Stadtzentrums.

– Von dort nehmt ihr den Bus nach San Isidro del General.

– Vom Busbahnhof A in San Isidro, der nicht wie ein Busbahnhof aussieht, nehmt ihr ein Taxi zu Busbahnhof B in San Isidro.

– Von dort nehmt ihr den Bus nach San Gerardo de Rivas. Da es keine Informationsstelle gibt, hier vier Tipps, wie ihr den richtigen Bus findet: […]

– usw. ???

Als wir es ins Cloudbridge Nature Reserve geschafft hatten, gingen wir erstmal auf eine erste Wanderung entlang der schön angelegten Wege durch den Nebelwald.

Entdeckungstour durchs Cloudbridge Nature Reserve
Erste Freunde

Zusätzlich zu uns sind aktuell noch acht andere Freiwillige hier. Der größte Teil davon sind Studenten oder Doktoranden, die im Rahmen ihres Studiums oder ihrer Promotion an Forschungsprojekten arbeiten und dadurch mehrere Monate vor Ort sind.

Fleißige Vorbereitungen für das montägliche Potluck
Yummy

Wir helfen während unserer Zeit hier einem Forscher aus den Niederlanden, der sich den Meniskus gerissen hat und daher nicht mehr durchs Dickicht kriechen kann. Unsere Arbeit besteht darin in verschiedenen Testbereichen Bäume zu vermessen, um zu kontrollieren, wie sich die gepflanzten Bäume im Vergleich zu den selbstständig nachwachsenden entwickeln. Kurzum: Ob die Wiederaufforstung einen Vorteil bringt.

Zwischendrin fallen aber auch immer mal andere Aufgaben an. So mussten wir z.B. einen Vormittag lang Bretter schleppen, aus denen neue Unterkünfte gebaut werden sollen. Und wir werden nächste Woche das Visitor Center am Eingang des Parks betreuen und den Besuchern ihre Spende entlocken. ?

Jan nummeriert Bäume …
…und vermisst sie.
Ich messe den Lichteinfall…
…und die Baumhöhe.
Jans Lieblingsbeschäftigung – sich mit der Machete durchs Dickicht kämpfen.

Das schöne an der Aufgabe ist, dass wir während der Arbeit das gesamte Naturreservat erwandern, da die Testgebiete über das gesamte Gebiet verstreut liegen. Mitunter heißt das aber auch eine Stunde bergauf zu wandern, um überhaupt zu unserer Arbeitsstelle zu kommen!

Und das Beste ist, dass wir immer wieder von den hier lebenden Tieren überrascht werden, wie zum Beispiel dieser Spinnenaffen-Familie. ??? Leider sind aber auch hier mehr Moskitos und sonstiges Fliegevieh unterwegs als interessante Tiere. ?

Spinnenaffe

Unser Arbeitstag beginnt um 7 Uhr morgens und endet spätestens um 13 Uhr – wobei wir ehrlich gesagt meist gegen 11 Uhr fertig sind (deutsche Effizienz eben ?). Genügend Zeit also für… Freizeit! ?

Erster Malversuch nach zweimal Unterricht in Guatemala
Finde den Fehler!

Zum Beispiel waren wir mit den anderen Volunteers am Sonntag costa-ricanisch Brunchen und danach in der wunderschönen Gartenanlage Jardines Secretos spazieren.

Secret Gardens

Wahnsinn – eine Woche unserer Freiwilligenarbeit ist schon rum! Und nächste Woche wird zumindest für mich kurz ausfallen, denn ich werde zwei Arbeitstage ‚opfern‘ um mit einigen der Volunteers den höchsten Berg Costa Ricas zu erklimmen – den Cerro Chirripó, der praktischerweise direkt vor der Haustür liegt (aber dennoch etwa 8 Stunden Aufstieg benötigt). Jan zieht es vor sich die Strapazen zu ersparen. Ich werde wohl erst während des Aufstiegs seine Entscheidung nachvollziehen können. ?